Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Lazarus, Prof. Dr. M., [Rezension]
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 504 (sequence 3)
- Language
- German
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504 Im deutschen Reick. urtheilen, wer dem Verfasser, falls derselbe zu seiner Ueberzeugung Grund haben sollte, es verargen, daß er sie ausspricht? Man müßte nur rühmen, daß die Form, in der jene leisen Anklänge an eine daS rein empirische Gebiet der historischen Wiedergabe überschreitende Methode subjektiver Stellungnahme sich geltend machen, die schwer zu konstruierende Mittellinie zwischen edler Begeisterung und schlichter Bescheidenheit durchaus innehält. . Ueberhaupt aber ist angesichts der respektablen objektiven Leistung geschichtlich treuer Wiedergabe jenes subjektive Ingrediens kaum der Erwähnung werth. Wenn der Herausgeber der Theologischen Literatur-Zeitung (1899, X, 312—314), Prof. E. Schürer, dessen wissenschaftlicher Urtheilskraft man übrigens die höchste Achtung entgegenbringen muß, zu der angeblichen Vertrauensseligkeit des Verfassers bezüglich jener Übereinstimmung zwischen historisch-jüdischer und modern-humaner Ethik ein ernstes Fragezeichen zu setzen nöthig findet, so ist das zwar beachtenswerth, aber gerecht finde ich es nicht, das so angelegentlich hervorzukehren, es müßte denn sein, daß man auch in der Mehrzahl der dogmatischen und ethischen Systeme der gegenwärtigen evangelischen Theologie, welche sich „Christliche Glaubenslehre" und „Christliche Sittenlehre" titulieren, die Verarbeitung, Assimilierung, Berücksichtigung aller derjenigen Gedanken und Motive als dem Urchristenthum fremdartig rügen wollte, welche irgendwie dem seitherigen Fortschritte der Menschheitsentwickelung Rechnung tragen. Es handelt sich hier geradezu um eine prinzipielle Frage, und deshalb dürfte eine Beleuchtung der Stellungnahme unseres Autors gegenüber den sicherlich nicht alleinstehenden Einwendungen des Herrn Prof. Schürer nicht unwichtig sein, wichtiger vielleicht als eine ausführliche Aufzählung des Inhaltes, von dessen Lektüre jeder, auch der nicht überall zustimmende Leser sicherlich reiche Belehrung und Förderung gewinnen wird. — Die Gliederung des Buches, welches bereits für den noch ausstehenden zweiten Band einen Inhalts-Entwurf (Der Weg zur Sittlichkeit, d. h° Charakter-, Tugenden- und Pflichtenlehre; die Gestaltung der Sittlichkeit, d. h. die objektiven sittlichen Organismen: Familie, Haus, Schule, Gesellschaft, Kommune, Staat, Menschheit) mittheilt, — ist in 291 Paragraphen, denen noch ein reicher Anhang beigefügt ist, folgende: Abschnitt I: Grundlegung 1. Quellen. 2. Prinzip. 3. Charakter der jüdischen Sittenlehre. Abschnitt II: Das Ziel der Sittlichkeit: Heiligung des Lebens. 4. Heiligung ist Versittlichung. 5. Versittlichung ist Gesetzlichkeit. 6. Naturgesetz und Sittengesetz. 7. Heiligung als Vereinigung, d. h. die sozialen Konsequenzen — die Berufung zum heiligen V.olk — und die sozialen Bedingungen der Heiligung (in der Sozial-Ethik liegt die Erlösung vom