Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 479 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 479 Jahren (Ostern 97—99) unter 42 neu angestellten Oberlehrern 5 Juden sind, findet das Blatt diese Zahl oiel zu hoch; es unterläßt aber, dabei zu' bemerken, daß diese 5 Herren durchschnittlich je 8'/z Jahr (vom Datum des vollen PrüfungszeugnisieS an gerechnet) haben warten müssen. Es werden dann noch die jüdischen Hülfslehrer heran gezogen, deren eS in der Gesammtzahl der 81 auf Anstellung im städtischen Schuldienst harrenden Kandidaten 16 giebt. Unter Zusammenrechnung der Oberlehrer und der Hülfslehrer berechnet die „Kreuzzeitung", daß unter 601 städtischen Lehrkräften 41 Juden sind gleich 6,82 pCt., und sie schließt den Artikel mit der Warnung: „Da möchte man doch, ohne sich besonders auf antisemitisches Gebiet zu begeben (!), der Aufsichtsbehörde ein Caveant cousules zurufen. Jüdische Lehrer an höheren Schulen sind etwa noch einmal so viel, als man nach dem Prozentsätze der jüdischen Bevölkerung erwarten könnte." — Diese Behauptung ist erstens an sich nicht richtig, da .die jüdische Bevölkerung Berlins 5 % der Gesammtbevölkerung ausmacht; sodann aber käme es hierbei gar nicht auf den Prozentsatz der Bevölkerung, sondern auf den. der Schüler an. Nun ist eS gerade die „Kreuzzeitung" und die ihr gesinnungS» verwandten Blätter, die so oft festgestellt haben, daß die jüdischen Schüler an den höheren Lehranstalten über 20 pCt. der Schülerzahl ausmachen. Wollte sie ihren konfessionellen — von uns nicht ge« theilten — Standpunkt, den sie sonst im Schulwesen immer vertritt, auch den Juden gegenüber gelten lassen, dann wäre sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen — aber, „Bauer, das ist ganz was anderes". Die die „Krcuzzeitung" so erschreckende Thatsache von dem Vorhandensein der 16 Juden unter den Berliner HülfSlehrern ließe sich übrigens sofort aus der Welt schaffen, wenn den Herren Gelegenheit geboten würde, außerhalb Berlins Anstellung zu finden. Lange genug warten die meisten von ihnen, manche über 10 Jahre. Am wünschenswerthesten wäre eS gewiß, wenn das Verhalten der staatlichen Behörden die jüdischen Hülfslehrer nicht von vornherein darauf anwiese, ausschließlich auf die wenigen Stadtverwaltungen ihre Hoffnung zu setzen; bis aber darin ein Wandel zum Besseren eingetreten ist, möge ihnen wenigstens der freiere Sinn der großen Kommunen einen Platz offen halten, wo sie den wahrlich nicht wegen äußerer Vortheile erwählten Beruf mit allen Würden und Bürden des Amtes freudig ausüben können. — Die im Anhang gegebenen Mittheilungen über die kleineren Bundesstaaten enthalten keine Angaben über das Glaubensbekenntniß der Oberlehrer in den drei Hansastädten und in Braunschweig; in den thüringischen Staaten