Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 478 (sequence 2)
- Language
- German
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478 Im deutschen Reich. jahr (1. April 1898—99) sind zu den vorhandenen 57 jüdischen Oberlehrern 5'neu angestellt worden, 1 an' der städtischen Realschule zu Kattowitz, 3 an den städtischen Anstalten Berlins (1 an einer Oberrealschule, 2 an Realschulen), l an einem königlichen Gymnasium in Berlin. Wie im Vorjahr, giebt es in sechs Provinzen nicht «inen einzigen jüdischen Oberlehrer, eS sind Ostpreußen, Pommern, Hannover, SchleSwig-Holstein, Westfalen, Rheinprovinz. In den übrigen Provinzen finden wir je 1 in Sachsen (Magdeburg, städtisches Gymnasium), Westpreußen (Thorn, königl. Gymnasium) und Provinz Brandenburg ohne Berlin (Frankfurt a. O., städtisches Realgymnasium), 4 in der Provinz Posen (2 in Posen, je I in Bromberg und Meseritz an königl. Gymnasien), 6 in Schlesien (4 in Breslau am städtischen Johannesgymnasium, ,1 an der Oberrealschule, 1 an der städtischen Realschule in Kattowitz), 23 in Hessen-Nasiau (4 an den städtischen Anstalten von Frankfurt a. M., 19 an den beiden Schulen der jüdischen Gemeinde), 26 in Berlin (1 an einem königl. Gymnasium, 25 an städtischen Anstalten und zwar 4 an Gymnasien, 6 an Realgymnasien,' 3 an Oberrealschulen und 12 an Realschulen). — Da die Eesammtzahl der Oberlehrer im preußischen Staate 5847 beträgt, entspricht die Zahl der 62 jüdischen Oberlehrer einem Prozentsatz von etwa 1,06. Beträchtlich ändert sich dieses Verhältniß, wenn man von den 62 Juden die 19 abzieht, die von der jüdischen Gemeinde in Frankfurt angestellt sind; die übrigbleibenden 43 entsprechen einem Prozentsatz von 0,74, sodaß also noch nicht 1 jüdischer Oberlehrer auf 100 christliche kommt. Unter den vom Staate angestellten 2561 Oberlehrern sind 6 Juden. — Diese Zahlenverhältnisse zeigen jedem Unbefangenen, wie sehr auch auf diesem Gebiete der Staatsverwaltung die Juden zurückgesetzt und in ihrem verfasiungsmäßigen Anspruch auf Gleichberechtigung verkürzt werden. Es sind fast nur einzelne wenige Stadtverwaltungen, die einen Theil der zahlreichen jüdischen Hülsslehrer zu einer festen Anstellung ommen lassen, die staatlichen Behörden verharren in ihrer abweisenden Haltung. Den antisemitischen Blättern ist natürlich selbst diese spärliche erwendung von Juden im höheren Schuldienst zu viel, und wie sie seit nger Zeit klagen über die zu große Zahl jüdischer Schüler auf höheren «hranstalten, bringt die „Kreuzztg." (Nr. -109 vom 1, September) «inen besonderen Artikel „Berlins höheres Schulwesen", der mit dem Satze beginnt: „Geradezu besorgnißerregende Zustände herrschen, wie der soeben erschienene Kalender für das höhere Schulwesen Preußens von Kunze erkennen läßt, im höheren Schulwesen Berlins hinsichtlich Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte." Wenn in den letzten zwei