Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 472 (sequence 6)
- Language
- German
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472 3<n deutsche» Reich. Hallen, die Mißvergnügten unter den Konservativen zu sich heranzuziehen. Liebermann von Sonnenberg wird die Situation auSzunützen wissen, und die „Tivoli-Konservativen" werden in ihrer jetzigen Verstimmung für sein Liebeswerben gewiß recht empfänglich fein. Die Organe der „Tivoli-Konservativen" haben sich ja durch die Parteinahme der Antisemiten für diejenige czechische, polnische und französische Presi«, welche .neben der Judenhetze auch die schlimmste Hetze gegen alles Deutsche betreibt („Qeske Zajmy“, „Postijp“, „Libre parole“ u. a. m.), nicht abhalten lasten, antisemitische HerzenSergüff« weiter zu verbreiten. Die „Kreuz-Ztg." und die „Schles. Ztg." veröffentlichten jüngst ein angeblich wörtliches Citat aus dem „Jüdischen Volksblatt", demzufolge den Juden gerathen wurde, sich der Sozialdemokratie anzuschließen. Hinterher ergab sich, daß der Text des CitatS tendenziös verändert und letzteres nicht dem „Jüdischen Volksblatt" in Breslau, sondern einem gleichbetitelten Blatt in Wien entnommen war, wo das antisemitische Regiment die Juden fast zur Verzweiflung gebracht und manche derselben vielleicht darin irre gemacht hat, daß sie bei der Wahl derjenigen Partei, welcher sie sich anzuschließen haben, nur ihrer freien politischen Ueberzeugung folgen und damit ihre staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen wüsten. Was die Blätter der rückschrittlichen Richtung bei ihren Erörterungen über die unglückselige Dreyfus-Affaire geleistet haben und noch leisten, steht im schroffstenWiderspruch mit dem Verhalten der Reichsregierung, welche „b e,i loyaler Beobachtung der einer fremden innern Angelegenheit gegenüber gebotenen Zurückhaltung, mit der Wahrung der eigenen Würde die Erfüllung einer Pflicht der Menschlichkeit" zu verbinden wußte. Wenn das „Deutsche Adelsblatt" Würde und Menschlichkeit wahren wollte, dann dürfte es nicht den Groll, den seine „stahlgepanzerten" Hintermänner an den Leitern des Staates nicht auszulasten wagen, an den Juden zu kühlen versuchen. In den Leitartikeln „Geburtsaristokratie und Judenthum" hat das edle Blatt die Juden wieder einmal für alles verantwortlich gemacht, was den Adel kränkt, und den letzteren geradezu aufgefordert, „mit offenem Visir hinauszuziehen gegen Juden und Judengenosten", also es dem Dreschgrafen nachzuthan und mit den Herren Wilberg und Sedlatzek gemeinsame Sache zu machen. Das Blatt beschuldigt „Israel, in enger Wechselwirkung mit dem Liberalismus und im Anlehnen an die Geheimmacht der Loge, seine Fangarme um Staat und Gesellschaft zu schließen". Dabei weiß das Adelsblatt doch sehr gut, daß die preußischen Logen keine Juden aufnehmen und daß die letzteren sich