Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 471 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 471 arischen Völker äußern wir unsere Sympathien und unbegrenzte Achtung Redaktion der „yvsLö Zäjmy“ Prag-Vinohradh." Zu dieser Kundgebung des antisemitischen CzechenblatteS bemerkt der angeblich deutsch-nationale Herr Karl Sedlatzek: „Heil unseren antisemitischen Brüdern in Böhmen und Heil dem geplanten antisemitischen Weltbünde!" DaS, was die antisemitische Presse unter täuschenden nationalen und patriotischen Phrasen immer wieder bei ihrer Hetze gegen die Juden diesen vorzuwerfen sich erdreistet, bildet ihren eigenen, nur dünn übertünchtrn Grundzug, die internationale und anarchistische Organisation, die Verbreitung von Unzufriedenheit mit der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, die Nahrung von Umsturzgelüsten in den bisher zufriedenen Kreisen des sogenannten Mittelstandes. Da glücklicher Weise das frevelhafte Streben, diese Schichten zu unterwühlen, sich bisher als recht schwierig erwiesen hat, empfehlen einzelne Antisemiten, sich an den sogenannten vierten Stand zu wenden, wobei es ihnen gar nicht darauf ankommt, einmal auch den Standpunkt der Nasse - Antisemiten zu verlassen. So hat Karl L e b ermann, Hamburg-St. Pauli, zum Hamburger Parteitag den Antrag eingebracht, in das Parteiprogramm die Forderung aufzunehmen: „Lösung der sozialen Frage durch die freien individuellen Produktiv- Assoziationen der Arbeiter vermittelst Staatskredits nach den Prinzipien von Ferd. Lassalle als das unerläßlichste Bedürfniß unserer Zeit und als eisernen Bestand der Jnitiativ-Anträge im hohen Deutschen Reichstage." Bei einem nicht unbedeutenden Theile der deutsch-sozialen Reformpartei, der in dem holsteinschen Grafen Reventlow einen lauten Führer gewonnen hat, macht sich überhaupt die Neigung geltend, den antisemitischen Gedanken dem sozialen unterzuordnen. Auf dem Hamburger Parteitage hatte deshalb der Abg. Liebermann von Sonnenberg, der es um keinen Preis mit den Konservativen ganz verderben möchte, einen schweren Stand, zumal Böckler-Steglitz rund heraus erklärte, daß diese Herren nicht mit Zucker, sondern nur mit scharfen Mitteln zu gewinnen seien, die Hamburger Delegirten sich ziemlich bitter über die „Zuchthausgesetz«Abstimmung" äußerten und der sächsische frühere Abg. Zimmermann, welcher die Alleinherrschaft in der Partei Herrn Liebermann mißgönnt, das Verhalten der Fraktion zu anderen Parteien als fehlerhaft bezeichnete. Trotzdem mußte Liebermann mit seinen Anlehnungs-Bestrebungen wieder durchdringen, da seine Gegner in der eigenen Partei die jetzige Konjunktur für günstig