Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 473

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-09-01
Page
473 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316659--05745-2324715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 473 -er konservativen Partei nicht anschließen können, wenn sie dazu wirklich Neigung verspürten. Das Blatt warnt insbesondere den Adel vor der „Verjüdelung" und sagt: „Wer dieser den Rücken kehren will, muß sich dazu ausraffen, auch dem Liberalismus die Kehrseite zu zeigen, wo er ihm begegnen mag." Ob dies auf die Liberalen 'Eindruck machen wird, steht dahin; dem Judenthum wird jedoch es sicher keinen Schaden thun, wenn der „moderne Kavalier", der Mahnung des Adelsblattes folgend, nicht mehr „dem Semiten mit und ohne Adelstitel freundschaftlich auf der Rennbahn und im Klub die Hand schütteln und auch nicht auf sonstigen Feldern der Thätigkeit an des Geldsacks Leitseil tanzen darf." Die Splitterrichterei den Juden gegenüber war in den Kreisen, in welchen Stöcker und Hammerstein einst Arm in Arm ihr Jahrhundert in die Schranken zu fordern versuchten, gang und gäbe. Selbst die befferen Angehörigen jener Kreise können sich nicht von der leidigen mittelalterlichen Gewohnheit lossagen, für alles, was ihnen mißfällt, die Juden zum Prügelknaben zu machen. In seiner Schrift „Die Unsittlichkeit von Ludwig XIV. bis zur Gegenwart" bespricht Profeffor Di-, theol. M. von Nathusius mit lobenswerthem Ernst und Freimuth schwere sittliche Schäden aus den letzten Jahrhunderten und in den verschiedensten Schichten der Gesellschaft. Trotzdem er unzählige kraffe Verhältniffe schildert, aus welche Juden nie Einfluß gehabt haben oder haben konnten, kommt er zuletzt ziemlich unvermittelt, geradezu überraschend dazu, die Juden für die Unsittlichkeit in der modernen Zeit verantwortlich zu machen. Als bedauere er, vorher rückhaltlos erklärt zu haben, „welchen auflösenden Einfluß die Wirthschast in höheren Kreisen ehemals auf die Anschauungen im Lande hatten", schreibt er: „Ich muß hier eine Bemerkung über die Juden einschieben, welche nicht fehlen darf in einem Ueberblick über die verschiedenen Beförderungsmittel der Un» sittlichkeit in der modernen Zeit. Wie man, ohne Widerspruch zu befürchte», sagen kann, daß, wenn mit einem Schlage sämmtliche Juden aus unserem Geschäftsleben austräten, dasselbe ein ■ ganz anderes, ein befferes, ehrlicheres Gesicht zeigen würde, ebenso ist es «ine Thatsache, gegen welche sich nur eine gekünstelte Parteilichkeit verschließen kann, daß, wenn mit einem Tage alle Juden aus Deutschland verschwänden, es um die öffentliche Sittlichkeit erheblich bester stehen würde. Denn eS sind doch nun einmal in großer Mehrzahl Juden, welche das scheußliche Geschäft des Mädchenhandels betreiben, die Zeitungen mit den unsittlichen Anzeigen, den schamlosen Bildern leiten u. s. w. Durch jüdische Vermittelung sind auch fast auS-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.