Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 470 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316659--05742-2324712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
470 3m deutschen Reich. des Judenvolkes gelöst werden." Offenbar handelt eS sich bei dem ersten gegen die zum Christenthum übergetretenen Juden und deren Sprößlinge gerichteten Angriff nicht um Christenschutz und ebenso wenig bei dem zweiten Satz, welcher die einfachste Lösung, der Judenfrage in dem menschenfreundlichen Rath erblickt, welchen schon vor Jahren der später für irrsinnig erklärte Karl Paasch ertheilte, nämlich, die Juden einfach todtzuschlagen. Nachdem Dr. Giese a u f dem Hamburger Parteitage seine Thesen begründet hatte, sprach sich u. a. der Delegierte Georg Weber- Hamburg gegen dje Ausscheidung des Alten Testaments aus dem christlichen Religionsunterricht aus, worauf der Antragsteller diesen Punkt seiner Thesen zurückzog. Vorher hatte der Delegierte von Huth- Hamburg erklärt „Wenn wir das deutsche Geistesleben befreien wollen, müffen wir unbedingt das Alte Testament aus dem Unterricht beseitigen"; er begreife nicht, wie Leute das Alte Testament als göttliche Offenbarung ansehen können. Da werde z. B. erzählt, wie Abraham seine Frau als seine Schwester an Pharao verkuppelt habe. „Na, ich danke für solche Offenbarung. Um Gotteswillen keine Schulbibel, sonst wird in ihr Geschichtsfälschung betrieben und womöglich der Schw.Abraham als Heiliger hingestellt." Der konservative „Reichsbote", welcher dies mittheilt, bemerkt dazu: „Wir bitten unsere Leser um Entschuldigung, daß wir diese und ähnliche Aeußerungen mittheilen, aber das Bild der Versammlung und des Geistes, welcher diesen Rassenantisemitismus beherrscht, wäre unvollständig, wenn sie fehlten." Mit Ausnahme der das Alte Testament betreffenden These wurden sämmtliche Vorschläge des Dr. Giese einstimmig angenommen, also ist auch die „die schließliche Vernichtung des Judenvolkes" von dem 5. Parteitage der deutsch-sozialen Reformpartei als erstrebenswerthes Ziel gebilligt. Offenbar hat auch dem Graf Pückler bei seinen Dreschflegel-Reden eine ähnliche radikale Lösung der Judenfrage vorgeschwebt. Uebrigens hat er damit einen Erfolg erzielt, welcher klar und deutlich beweist, daß der Antisemitismus, eben weil er irreligiös und unmenschlich, auch undeutsch und im schlimmsten Sinne international ist. Wie Karl Sedlatzek im „Deutschen General-Anzeiger" (Nr. 85 vom 10. Septbr.) berichtete, konnte er dem „tapferen" Dreschgrafen eine Karte nachstehenden Inhalts übermitteln: „Dem verdienstvollen Herrn Grasen von Pückler Klein-Tschirne in Deutschland. Dem unerschrockenen Rüger der jüdischen Ungesetzlichkeiten und Kämpfer für die verlorenen Menschenrechte der christlich-