Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 469 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 469 ^bedauerlich erklärt haben, daß einst Luther daS Alte Testament nicht beseitigte. Daß der bekannte antisemitisch« Schriftsteller Dr. Wilhelm Giese in seinem Referate über die Judenfrage Thesen aufstellte, welche auch bei jedem gläubigen Christen Anstoß erregen mußten und den anarchistischen und irreligiösen Charakter der judenfeindlichen Bewegung recht unvorsichtig enthüllten» war den vorsichtigeren Antisemiten ohne weiteres klar. Der „Reichsbote" schrieb: „Man muß sich nur wundern, daß diese Herren nicht auch gleich i e Ausschließung des Neuen Testaments verlangen." Ein Mitglied der deutsch-sozialen Reformpartei schrieb am 7.Septbr. im Sprechsaal der „Deutschen Wacht": „Man sollte doch klug sein und das Alte Testament nicht antasten, sondern achten auf die Worte des Gründers der christlichen Religion Joh. 5, 39, und weiter Ap.-Gesch. 17, 11 und Hebr. 4, 12. Möge der Parteitag in dem Sinne beschließen, wie die „Deutsche Wacht" im Jahre 1898 in Nr. 27 schreibt: Wir machen die heutigen Juden nicht für die Hinrichtung Jesu Christi verantwortlich, das wäre nach unseren Moralbegriffen unmenschlich, ungerecht und unchristlich. Aber wir bekämpfen ihre schlechten Eigenschaften und ihre Sucht, alles zu besitzen und zu beherrschen. Nicht um einen Kampf gegen die Religion Mosis oder die Nachkommen der Kreuziger handelt es sich, sondern um den Schutz des einheimischen Volkes gegen die geschäftlichen und sonstigen Uebergriffe der eingewanderten Juden. Es handelt sich um Christenschutz, nicht Judenhaß." Der Einsender der erwähnten Notiz hat aber seltsamer Weise kein Wort des Tadels für zwei andere Thesen des Dr. Giese, die gewiß ebenso irreligiös sind wie die erwähnte, weil sie den Rassenhaß mit dem Neligionshaß verschmelzen und das als Nothwehr hinstellen, was nach allenMoralbegriffen unmenschlich ist. Die betreffenden Sätze lauten: „Einer der ersten Schritte beim legislativen Einschreiten gegen das Judenvolk muß es sein, festzustellen, wer vor dem Gesetz als Jude gelten soll, und daß es die Abstammung und diese ganz allein ist, die die Zugehörigkeit zum Judenthum bestimmt. Der Parteitag begrüßt den im Sommer 1898 veröffentlichten Entwurf zu einem Judenmatrikel-Gesetz als willkommene Vorarbeit zur Lösung dieser grundlegenden Aufgabe." — „Dank der Entwickelung unserer modernen Verkehrsmittel dürfte die Judenfrage im Lause des 20. Jahrhunderts zur Weltfrage werden und als solche von den anderen Völkern gemeinsam und endgültig durch völlige Absonderung und (wenn die Nothwehr es gebietet) schließliche Vernichtung