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Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 468

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-09-01
Page
468 (sequence 2)
Language
German
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468 3m deutschen Reich. Daraus schließt die „Allg. Zig. deS Judenthums": „Die jüdischere Lehrerinnen Berlins werden in der durch die Verwaltung festgestellten Situation bleiben." Schließlich sind aber doch wohl die Verhältnisse mächtiger als die Menschen, und ein frischerer Luftzug bürste kaum aufzuhalten sein. Der rohe Antisemitismus der Gasie wäre vielleicht: niemals in Deutschland möglich gewesen, oder wenigstens früher überwunden worden, wenn nicht der feinere Antisemitismus in den stylvollen Salons in glatten, verbindlichen Formen undtäuschenden Phrasen so vieles zu Wege gebracht hätte, was die den deutschen Juden feierlich zugesicherte Gleichberechtigung zu einer- Illusion machte. Der after-wissenschaftliche Antisemitismus, welcher dem mittelalterlichen Spuk den Schein der Berechtigung verschaffte, dermit dem Mantel angeblicher nationaler Gesinnung bedeckte Chauvinismus, welcher unbefangene Patrioten täuschte, der religiöse Fanatismus,, welcher gläubige Gemüther zur Leidenschaft entflammte, haben zu. lange freien Spielraum gehabt, als daß eine plötzliche Wandlung eintreten könnte. Das Rad der Geschichte läßt sich aber nicht rückwärtsdrehen, und deshalb muß endlich doch der Tag kommen, an welchem, die Aufklärung alle romantischen Gespenster verdrängt, denn der Grundpfeiler des Staates ist die vorurtheilsfreie Gerechtigkeit und nur im Hellen Lichte der Wahrheit kann diese geübt werden! „Mehr Licht!" waren die letzten Worte Goethe's, des großen Dichterfürsten, dessen Gedächtniß in vielen deutschen Städten in den. letzten Augusttagen aus Anlaß seines 150. Geburtstages hoch geehrt worden ist. Dieses echtdeutsche Streben nach dem Lichte versinnbildlicht auch der zur Sonne fliegende deutsche Reichsadler, unter dessen. Schatten nicht nur das Reichsland, sondern jeder deutsche Staatsbürger sich gesichert fühlt. Das Wappenschild des Deutschen Reiches,, welches der Kaiser in Straßburg als den einzigen Halt und den alleinigen Schutz der Kirche bezeichnete, es schirmt in den heutigen bewegten Zeiten, „wo der Geist des Unglaubens durchdie Lande zieht", auch diejenige Glaubensgemeinschaft, welche durch so viele Jahrhunderte unsägliche Prüfungen überdauerte, weil sievon einem großen lichtvollen Gedanken wie auf Adlersflügeln getragen wurde. Wenn es thatsächlich als eine Aufgabe des Staates betrachtet wird, für die Religion einzutreten gegen den durch die Lande ziehenden Geist des Unglaubens, dann werden voraussichtlich künftig auch als staatsfeindlich diejenigen behandelt werden, welcheauf dem Parteitage der deutsch-sozialen Reformpartei in Hamburg, die Ausscheidung des Alten T.estaments aus dem christlichen Religionsunterricht verlangt und es als.

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