Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 467

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-09-01
Page
467 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316659--05739-2324709
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

467 Umschau. einer ereignißreichen Zeit, in welcher sich die überraschendsten Wandlungen vollziehen, pflegt nichts verhängnißvoller zu sein, als ein vorzeitiger Jubel. Widerspricht eS ohnehin dem jüdischen Empfinden, über den Fall eines Gegners zu frohlocken, so verbietet sich dies außerdem durch den Rückblick auf Enttäuschungen, welche unsere Vorfahren häufig erlitten haben, wenn sie unter der Last harten Druckes bei einem bedeutenden SituationSwechsel erleichtert aufathmeten. In einer Zeit, welche „unter dem Zeichen des Verkehrs steht", mußten früher oder später Räthe der Krone unhaltbar werden, deren rückschrittliche Gesinnungen sich u. a. auch durch Versagung des Gastrechts.harmlosen ausländischen Juden gegenüber und durch eine den Tendenzen der „Kreuz-Zeitung" entsprechende Verwaltung des Unterrichtswesens bekundeten. Ueber die neuen Minister wurden alsbald Nachrichten verbreitet, welche alle Hoffnungen auf eine Aenderung in diesen Verhältnissen vernichteten. Der „Allgem. Ztg. des Judenthums" sind aber aus Düsseldorf von sachkundiger Seite Mittheilungen zugegangen, welche die Sachlage günstiger erscheinen lassen. Es heißt dort: „Es ist vor allem rein negativ festzustellen, daß während der hiesigen Amtsperiode des Freiherrn von Rheinbaben nach keiner Richtung hin irgend welche antisemitische Tendenzen hervorgetreten sind. Wie mir gesagt wurde, haben antisemitische Blätter in diesen Tagen eine Notiz gebracht, derzufolge Herr von Nheinbaben der erste preußische Regierungspräsident gewesen sei, der ein Schächtverbot für seinen Bezirk eingeführt habe. Das ist absolut unrichtig und kann nur auf einem Mißverständnisse beruhen. Nichtig ist ja, daß die Stadtgemeinde Rheydt ein vom Bezirksausschuß bestätigtes, das Schächten einschränkendes Ortsstatut erlassen hat, allein hieran ist Herr von Rheinbaben absolut unbetheiligt, und er hat eine auf Abänderung zielende Petition nach Berlin weitergesandt und bei dieser Gelegenheit eine nach jeder Beziehung wohlwollende und vorurtheilslose Auffaffung kundgegeben." Von dem neuen Kultusminister Dr. Studt wird berichtet, er habe bei einer Audienz des greisen Vorstehers der Synagogengemeinde Münster diesem warme Förderung der jüdischen Interessen zugesagt, wo es nothwendig erscheine. Andererseits soll der neue Kultusminister kirchlich auf dem rechten Flügel stehen. 32*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.