Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 465 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Lin sonderbarer Angriff auf unseren Verein. 465 nach dem oben mitgetheilten § 2 unserer Statuten einen satzungsmäßigen Theil unserer Thätigkeit. Mit diesem Nachweise wären wir am Schluffe der Vorwürfe, welche Cohn gegen die Thätigkeit unseres Vereins auf Grund seiner ausgezeichneten Sachkenntniß richtet. Doch auch der Name des Vereins erregt sein Mißfallen. Er meint, wir hätten dadurch, daß wir uns als „Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bezeichnen, christliche Gefühle verletzt, wir hätten uns als Angehörige der jüdischen Nation bezeichnen sollen. Da sichdie Gründer des Vereins — wie übrigens auch der bei weitem größte Theil der deutschen Glaubensgenoffen — mit gutem Recht als zur deutschen Nation gehörig fühlten und noch fühlen, so kann von der Bezeichnung des Centralvereins, die Herr Cohn will, keine Rede sein. Außerdem ist cs auch recht unüberlegt, zu behaupten, wie es auchin der vorliegenden Broschüre geschieht, daß der Antisemitismus geringer wäre, wenn wir als jüdisches Volk statt als jüdische Glaubensgemeinschaft zusammenhielten. Seit den Tagen des Comenius, des großen Kurfürsten, Lessings, eines Friedrichsdes Großen und anderer führender Geister wird die Verfolgung, von Menschen um ihrer Religion willen von den Besten aller Völker verurtheilt; wenn sie leider noch häufig vorkommt, so gebrauchen die Hetzer jetzt sehr oft zu ihrer Rechtfertigung allerhand Vorwände, wie Raffenseindschaft, Vaterlandsvertheidigung, Kampf gegen Kapitalismus und Ausbeutung rc. Wo eine aufgeklärte und starke Regierung alle religiösen Hetzer streng bestraft, sonst aber nach dem Vorbilde des alten Fritz Jeden „nach seiner Fa^on selig" werden läßt, ist ein erträgliches, oft sogar ein freundschaftliches Verhältniß zwischen den verschiedenen Konfessionen eingetreten. Der Nationalitätenkampf aber entbrennt heute an allen Ecken und Enden der Welt, und auch die Weisesten wissen kein Mittel dagegen. Durch Schule und Literatur, durch geschäftlichen Boykott, oft auch durch administrative und politische Zwangsmaßregeln sucht jede Nationalität der benachbarten Vortheile abzugewinnen und diejenige, welche bei diesem allgemeinen Kampfe unthätig bleiben wollte, würde empfindliche Verluste erleiden. Cohn beruft sich freilich darauf, daß vor einiger Zeit in der „Vossischen Zeitung" gestanden habe, es sei ein „Ress