Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 464 (sequence 7)
- Language
- German
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464 Im deutschen Reich. allerhand Lügengeschichten verstärkt wird, die beweisen sollen, daß alle jüdischen Krufleute sich Betrügereien zu Schulden kommen lassen, als wenn solche Zusätze von uns unmöglich gemacht werden. Cohn meint, wir sollten statt der „Erkämpfung der Gleichberechtigung bis in die höchsten Sphären des Lebens hinauf" lieber dafür sorgen, daß unsere Glaubensgenossen „innerhalb der Wände ihres traulichen jüdischen'Heims ihr Stückchen Brod in Ruhe und Frieden genießen können." Aber, lieber Herr Doktor, daran arbeiten wir ja gerade durch Bekämpfung aller antisemitischen Verleumdungen; abgesehen davon, daß wir die öffentliche Meinung aufzuklären suchen, wollen wir, daß Verleumdungen, welche gegen alle Juden gerichtet sind, von den Staatsanwälten verfolgt werden und diejenigen, welche sich gegen einzelne Juden als solche richten, von diesen selbst zum Inhalte einer Privatklage gemacht werden, für welche wir unseren Glaubensgenossen unsere Hilfe gewähren. Wenn z. B. die schlimmste der antisemitischen Lügen, die Blutlüge, so wie jene Verleumder es wollen, ungestraft verbreitet werden dürfte, könnte noch mancher jüdische Ehrenmann gleich Buschhoff seiner Familie durch eine ungerechte Anklage entrissen werden. Wenn Sie sich dies, verehrter Herr Doktor, überlegen, erwerben Sie noch die Mitgliedschaft unseres Vereins, den Sie nur aus Unkenntniß seiner Bestrebungen bekämpfen. Daß Sie nur vom Hörensagen von ihm wissen, geht ganz unbestreitbar aus folgenden Sätzen hervor, mit denen Sie die Darstellung seiner Entwicklung schließen (S. 39): „Die schützlerische Thätigkeit mußte schließlich aus Mangel an Material aufgegeben werden und bildete sich zu einer mehr seuilletonistischen um. Man füllte die Versammlungs - Abende mit Vorträgen aus der schönen Literatur und aus der jüdischen Geschichte. Man sah sich nun aus der kriegerischen Stimmung in eine ganz harmlose versetzt, welche den Spott der Antisemiten herauszufordern geeignet war." In Wahrheit ist die Rechtsschutzkommission durchaus nicht aufgehoben, sondern weiter mit der Bekämpfung rechtswidriger Angriffe beschäftigt; belehrende und veredelnde Vorträge aber finden schon seit dem Beginne unserer Vereinsthätigkeit statt und bilden