Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 466 (sequence 9)
- Language
- German
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466 3>n deutschen Reich. servatrecht der Vorsehung, darüber zu bestimmen, wie die ein» zelnen Nationalitäten stch ausbreiten und verschwinden, wie sie wandern und wie ste sich anstedeln sollen". Tante Voß in allen Ehren, aber es ist doch nicht alles eine Offenbarung, was ein Redakteur derselben schreibt. Zahlreiche nationale Gemeinschaften wie die Deutschen in Rußland und Oesterreich, die Finnländer, die Polen, die Armenier rc. merken in unseren Tagen nur all zu sehr, daß mächtige Staaten aus Ausbreitung und Ansiedelung fremder Nationalitäten gewaltigen Einfluß haben, und es wird ihnen wenig Trost bereiten, daß dergleichen theologisch doch wohl nicht als ein Handeln gegen die Vorsehung, sondern als ein solches in Ausführung der uns unbekannten Pläne der Vorsehung zu betrachten ist. Gerade da wir nur Religionsfreiheit wünschen und in national-politischer Hinsicht gar keine anderen Wünsche haben als unsere christlichen Mitbürger deutscher Nationalität, soweit sie nicht vom antisemitischen Bazillus ergriffen sind, können wir hoffen, daß der irregeführte Theil des deutschen Volkes zur Besinnung kommt. Nach Cohn handelt es sich freilich bei dem uns aufgenöthigten Kampfe nicht um eine Rechts-, sondem um eine Machtfrage. Wenn Zwei streiten, so ist es von dem Stärkeren roh und ungerecht, den Streit mit Machtstatt mit Rechtsmitteln auszufechten; seitens des Schwächeren ist es noch dumm obendrein. Niemand unter uns, der halbwegs verständig ist, wird von einem Kriegszustände zu sprechen wagen. In einem Kampfe, in dem auf einen Juden 160 Christen kommen, müßten wir jedenfalls unterliegen. Außerdem haben wir gar keinen Grund, unter unseren Mitbürgern andere als die gewerbsmäßigen und unverbesserlichen Hetzer anzugreifen; diejenigen, die für uns eingetreten find, haben sich ein Recht auf unsere Dankbarkeit erworben, und von den Irregeleiteten ist so mancher schon vom Antisemitismus zurückgekommen. Carl Gustav.