Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 463 (sequence 6)
- Language
- German
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Lin sonderbarer Angriff auf unseren Verein. 463 wie er S. 39 behauptet. Weder unsere Statuten noch die Handlungen unseres Vereins geben solcher Behauptung auch nur einen Schein von Berechtigung. Vielleicht hat Cohn im Auge, daß wir die drohende Zurückdrängung unserer Konfession auf bestimmte Berufskreise zu verhindern und eine verhältnißmäßig gleiche Vertheilung der Berufe unter die verschiedenen Konfessionen herbeizuführen' streben. Wie wir zu solchem Zweck den Verein zur Verbreitung von Bodenkultur und Handwerk unter den Juden und andere unterstützen, so wollen wir auch darin die Rechtsgleichheit gewahrt sehen, daß der Staat Bewerber um Lehr- und Beamtenstellen nicht deshalb zurückweist, weil sie Juden sind. Nur so läßt sich erreichen, daß einzelne Stände aufhören, uns die allzu große Konkurrenz zum Vorwurf zu machen und daß auch die Unsitte ein Ende nimmt, berechtigte und unberechtigte Vorwürfe gegen die Angehörigen der wenigen Berufe, in denen wir thätig sein dürfen, unserer Religionsgemeinschaft anzurechnen. Wenn in den „Jüdisch-politischen Zeitfragen" unsere Bestrebungen ganz falsch dargestellt werden, so kann es nicht Wunder nehmen, daß ihr Autor uns Erfolge namentlich bezüglich des Rechtsschutzes ganz abspricht. In dieser Beziehung genüge es, ihn zu bitten, die Berichte unserer Rechtsschutzkommission erst einmal zu lesen! Meint er, daß die Männer, welche uns in dieser Angelegenheit ohne Entgelt ihre Dienste zur Verfügung stellen, wissentlich Falsches berichtet haben? Nörgelnde Vorwürfe, welche jedes Schattens eines Beweises entbehren, richten sich selbst. So meint er, daß, wo sich Beamte in der Provinz aus Gesetzesunkenntniß Beeinträchtigungen oder Beleidigungen einzelner Juden zu Schulden kommen ließen und dann auf unser Betreiben von den Vorgesetzten Behörden rektifiziert wurden, den Aerger der unteren Beamten „sicherlich" (!) „die armen Juden haben ausbaden müffen, die sich an den Centralverein hilfesuchend gewendet hatten." Gleich dieser Bemerkung ist auch die Behauptung aus der Lust gegriffen, daß unsere Gegner, weil sie uns nicht mehr straflos beleidigen und verleumden können, dazu übergegangen seien, uns „auf erwerblichem und gesellschaftlichem Boden" zu bekämpfen. Der Ruf „Kauft nicht bei Juden" erscholl bekanntlich schon beim Beginn der antisemitischenHetze, lange vor der Begründung des Centralvereins. Jener Ruf hat sicherlich weit mehr Kraft, wenn er ungestraft durch