Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 461

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
Date
1899-09-01
Page
461 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316659-2324629--05732-2324703
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Liu sonderbarer Angriff auf unseren Verein. 461 Nach dieser Erklärung dürfte es uns wohl erlaffen werden, auf die Ausführungen der vorliegenden Schrift näher eknzugehen. Nur die speziell gegen unseren Verein gerichteten Ausführungen Cohn's machen es nöthig, daß wir uns mit ihr beschäftigen. Treten sie doch mit solcher Sicherheit auf, daß dadurch mancher abgehalten werden könnte, unser Mitglied zu werden! Freilich enthält das, was Cohn von den Bestrebungen und der Entwicklung unseres Vereins berichtet, so viele Jrrthümer, daß er über ihn offenbar nur vom Hörensagen selbst schlecht unterrichteter Personen etwas weiß. Seine Schilderung der Entwicklung unseres Vereins beginnt folgendermaßen: „Da der Centralverein die erste Vereinigung in Deutschland - war, die zur Bekämpfung des Antisemitismus von jüdischer Seite ausging, so gewann er schnell unter den Glaubensgenoffen einen großen Anhang." (S. 23.) In diesem Satze' stecken zwei Jrrthümer, wie jeder weiß, der unsere Veröffentlichungen gelesen oder unsere Versammlungen besucht hat. Zunächst bestand schon zur Zeit der Begründung unseres Vereines das sog. Komitee zur Abwehr und eine Unmenge kleiner lokaler Komitees zu demselben Zwecke. Ersteres konnte freilich, weil es nicht in die Oeffentlichkeit treten wollte, nur wenig, letztere konnten aus Mangel an geeigneten Persönlichkeiten und Geldmitteln gar nichts leisten. Noch größere Leichtfertigkeit zeigt die Angabe, daß unser Verein „schnell einen großen Anhang" gewonnen habe. In den ersten Jahren unseres Bestehens hatten wir kaum einige 100 Mitglieder; dagegen 1894 schon 3400, jetzt über 10 000. Nach Cohn, S. 24, waren die Ziele des Vereins „einerseits der Kampf um die Gleichberechtigung; andererseits der Rechtsschutz gegen Angriffe, die von feindlicher Seite gegen die Ehre und die Erwerbsthätigkeit einzelner Juden ausgingen." Damit sind unsere Bestrebungen ganz unzureichend dargestellt. Unsere Statuten, die Cohn doch mit leichter Mühe hätte erhalten können, sagen: „8 I. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens stellt sich die Aufgabe, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie zu bestärken in der thatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung und in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.