Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 461 (sequence 4)
- Language
- German
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Liu sonderbarer Angriff auf unseren Verein. 461 Nach dieser Erklärung dürfte es uns wohl erlaffen werden, auf die Ausführungen der vorliegenden Schrift näher eknzugehen. Nur die speziell gegen unseren Verein gerichteten Ausführungen Cohn's machen es nöthig, daß wir uns mit ihr beschäftigen. Treten sie doch mit solcher Sicherheit auf, daß dadurch mancher abgehalten werden könnte, unser Mitglied zu werden! Freilich enthält das, was Cohn von den Bestrebungen und der Entwicklung unseres Vereins berichtet, so viele Jrrthümer, daß er über ihn offenbar nur vom Hörensagen selbst schlecht unterrichteter Personen etwas weiß. Seine Schilderung der Entwicklung unseres Vereins beginnt folgendermaßen: „Da der Centralverein die erste Vereinigung in Deutschland - war, die zur Bekämpfung des Antisemitismus von jüdischer Seite ausging, so gewann er schnell unter den Glaubensgenoffen einen großen Anhang." (S. 23.) In diesem Satze' stecken zwei Jrrthümer, wie jeder weiß, der unsere Veröffentlichungen gelesen oder unsere Versammlungen besucht hat. Zunächst bestand schon zur Zeit der Begründung unseres Vereines das sog. Komitee zur Abwehr und eine Unmenge kleiner lokaler Komitees zu demselben Zwecke. Ersteres konnte freilich, weil es nicht in die Oeffentlichkeit treten wollte, nur wenig, letztere konnten aus Mangel an geeigneten Persönlichkeiten und Geldmitteln gar nichts leisten. Noch größere Leichtfertigkeit zeigt die Angabe, daß unser Verein „schnell einen großen Anhang" gewonnen habe. In den ersten Jahren unseres Bestehens hatten wir kaum einige 100 Mitglieder; dagegen 1894 schon 3400, jetzt über 10 000. Nach Cohn, S. 24, waren die Ziele des Vereins „einerseits der Kampf um die Gleichberechtigung; andererseits der Rechtsschutz gegen Angriffe, die von feindlicher Seite gegen die Ehre und die Erwerbsthätigkeit einzelner Juden ausgingen." Damit sind unsere Bestrebungen ganz unzureichend dargestellt. Unsere Statuten, die Cohn doch mit leichter Mühe hätte erhalten können, sagen: „8 I. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens stellt sich die Aufgabe, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie zu bestärken in der thatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung und in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung.