Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Ein sonderbarer Angriff auf unseren Verein
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 460 (sequence 3)
- Language
- German
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460 Im deutschen Reich. führungen in der erwähnten Broschüre unseren Unwillen und zugleich unser Erstaunen in so hohem Grade hervor, daß wir uns unwillkürlich die Frage vorlegen: Wie konnte Cohn überhaupt dazu kommen, derartiges zu denken und zu veröffentlichen? Auf dem Titelblatt bezeichnet er sich als den Verfasser der vor drei Jahren erschienenen Schrift „Vor dem Sturm". Bezüglich jener Broschüre führte ich in einem Aufsatze „Schlimme Rathschläge" *) aus, daß man es wohl psychologisch begreifen kann, daß Herr Bernhard Cohn, dem von Vertretern der geltenden Rechtsordnung seiner Ansicht nach arges Unrecht zugefügt worden ist, dadurch maßlos verbittert wurde, daß aber eben deshalb seine Rathschläge, die nicht von ruhiger Ueberlegung eingegeben sind, arges Unheil anrichten können. Jene Verbitterung scheint seitdem noch gewachsen zu sein. Sie allein würde aber doch noch nicht dazu ausreichen, daß jemand ein Buch von der Art der „Jüdisch-politischen Zeitfragen" veröffentlicht. Es kommt noch etwas anderes hinzu. Wohl jeder Arzt sieht heute ein, daß man nur nach gründlicher theoretischer und praktischer Durchbildung auf medizinischem Gebiete etwa» leisten kann. Und doch giebt es nicht wenige Aerzte, die sich von der sonderbaren Ansicht leiten lasten, daß man auf dem Gebiete menschlichen Gemeinschaftslebens ohne gründliches Studium der in Betracht gezogenen Angelegenheiten Nützliches rathen kann. So entstehen denn Bücher, welche noch weit schädlicher als die schlimmsten Schriften der Kurpfuscher sind. Diese verführen doch nur thörichte Leser, ihren Körper den Verfastern jener Schriften anzuvertrauen oder sich nach halb verstandenen Vorschriften selbst zu behandeln, statt die Hülfe eines tüchtigen Arztes anzunehmen; leicht hingeworsene politische Ausführungen Unkundiger aber verleiten nicht nur die, welche sich von ihnen beeinflusten lasten, zu einem thörichten Verhalten, sondern schädigen auch Staat und Gesellschaft. Vor allem werden sie nur allzu oft von unerfahrenen oder böswilligen Gegnern einzelner menschlicher Gemeinschaften als Ausdruck der Ansichten und Bestrebungen ganzer sozialer, politischer oder religiöser Gruppen genommen, während sie doch nur die Stimmungen eines mit den einschlägigen Verhältnissen wenig vertrauten Einzelnen wiederspiegeln. *) 2. diese Zt., Bd. 2. 2. isv.