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Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 453

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1899-09-01
Page
453 (sequence 5)
Language
German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 48Z rechte und Freiheiten gesichert, vor allem die deutschen Grundrechte sofort angenommen und publiziert würden. Doch eS kam nicht dahin. Die Kammern wurden aufgelöst und auf Grund des oktroyierten Dreiklassenwahlsystems Neuwahlen ausgeschrieben. In Königsberg wie in den meisten anderen Städten beschlossen die liberalen Parteien Stimmenthaltung. Für mehr als ein Jahrzehnt erstarb alles politische Leben unter der Herrschaft der Reaktion, um erst mit der neuen Aera wieder zu erwachen. Die schwächliche Haltung des altliberalen Ministeriums und der Fraktion Vincke führte 1861 zur Begründung der deutschen Fortschrittspartei. Unter den ersten Beitrittserklärungen zu der neuen Partei finden wir auch Kosch'S Namen, und der erste Wahlkampf brachte ihn wiederum als Abgeordneten für Königsberg in den Landtag, dem er ununterbrochen bis zu seinem Tode angehörte. Seine parlamentarische Erfahrung, seine Ruhe und Besonnenheit, seine Gewissenhaftigkeit und Gerechtigkeit ließen ihn als den geeigneten Mann für den Vorfitz in der Geschäftsordnungskommisfion erscheinen, den er von 1863 bis zu seinem Tode inne gehabt hat. Auch der Kommisfion zur Vorberathung des Ministerverantwort' lichkeitsgesetzes gehörte er an. Ueberhaupt bestand feine überaus rege parlamentarische Thätigkeit weniger in Reden in den Plenarsitzungen als in fleißiger Arbeit in den Kommissionen. Im Plenum trat er nicht sonderlich häufig hervor. In der Zeit des beginnenden Militärkonflikts sprach er wesentlich aus konstitutionellen Bedenken gegen die Bewilligung des geforderten Kredits für Schiffsbauten; und er konnte das um so eher, da er auf seine öffentliche Thätigkeit in Königsberg Hinweisen konnte, wo er mit zu den Begründern und Leitern des deutschen Flottenvereins gehörte. Von größtem Interesse und von größter Bedeutung sind jedoch seine Reden für die Rechte der Juden. Mit unerbittlich scharfer Logik zergliedert er die Scheingründe der engherzigen Gegner, mit überzeugender Gewalt kämpft er für unser gesetzliches, unser verfassungsmäßiges Recht, geißelt er die Scheinheiligkeit und Heuchelei, die niedrige Gesinnung, welche der Staat durch Verleihung von Stellen, die den Juden verschlossen bleiben, an Abtrünnige belohnt. Sein Rechtsbewußtsein konnte ihn hier sogar zur Begeisterung entflammen, die seinem nüchternen Sinn und seiner oft trockenen Sprechweise sonst fremd waren. Im

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