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Im deutschen Reich · 1899-09-01 · Heft 9 (September 1899) · p. 452

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 9 (September 1899)
Article
Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
Date
1899-09-01
Page
452 (sequence 4)
Language
German
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452 Im deutschen Reich. daß er am 27. Juni zum zweiten, am 24. Juli zum ersten Vizepräsidenten gewählt wurde, ein Amt, da« er bis zum 19. September bekleidete. Ja,. einmal ist er sogar ganz ernsthaft als Kandidat für dm Posten des Kultusministers genannt wordm. Er gehörte zur Linken, und zwar als Mitglied und Führer einer Gruppe, die der gemäßigten Linken unter Unruh, Rodbertus, Phillips am nächsten stand. Ein einziges Mal hat er als Mitglied der Nationalversammlung eine größere Rede gehalten, und diese betrifft — da» ist überaus charakteristisch für Kosch — die staatsbürgerlichen Rechte der Juden. Der Kriegsminister v. Schreckenstein hatte durch Erlaß vom 14. August angeordnet, daß den Juden, obgleich das Gesetz vom 6. April 1648 ausdrücklich die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte von dem religiösen Bekenntniß unabhängig machte, militärärztliche Stellen mit Ofstziersrang bis zum Erlaß der Verfaffung nicht zu gewähren seien. Inzwischen war das Ministerium über den Stein'schen Antrag gestürzt und der greise General v. Pfuel zum Ministerpräsidenten und Kriegsminister ernannt worden. Ihn interpellierte Kosch am 4. Oktober, ob er gesonnen sei, den erwähnten § 5 des Gesetzes vom 6. April in dem ganzen Umfang der Militärverwaltung wiederherzustellen, eine Anfrage, die der Minister unter dem Beifall des ganzen Hauses vollinhaltlich bejahte. Das war vor fünfzig Jahren. Wenige Tage darauf reiste Kosch gemeinsam mit Jacöby nach Königsberg, um hier, wo eine Choleraepidemie ausgebrochen war, seine ärztliche Pflicht zu erfüllen. Inzwischen spitzte sich der Konflikt zwischen Regierung und Nationalversammlung immer schärfer zu. An Pfuel's Stelle trat Graf Brandenburg, der durch Vertagung und Verlegung der Nationalversammlung nach Brandenburg und die schließliche Auflösung derselben den vollständigen Bruch herbeiführte. Kosch war trotz schwerer Bedenken mit nach Brandenburg gegangen in dem freilich vergeblichen Bestreben, zu retten, was noch zu retten war. Der kurzlebigen zweiten Kammer des Frühjahrs 1649 gehörte er ebenfalls als Abgeordneter für Königsberg an und er wurde Führer einer etwa 16 Mitglieder zählenden liberalen Gruppe, die zur Versöhnung mit der Negierung und zur Annahme der revidierten Verfaffung bereit war, wenn eine Reihe wichtiger Volks-

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