Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 451 (sequence 3)
- Language
- German
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Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses. 4SI und in der vordersten Reihe der Kämpfer für politische und geistige Freiheit standen neben anderen drei jüdische Aerzte, Kosch, Jacoby und der noch hier lebende Falkson. Diese drei gehörten zu den hervorragendsten Mitgliedern der damals begründeten Bürgergesellschaft, in der die Tagessragen, die alle Gemüther bewegten, diskutiert wurden. Die Bürgergesellschaft wurde auf ausdrücklichen Befehl des Ministers durch den Polizeipräsidenten Abegg aufgelöst, dasielbe Schicksal widerfuhr den privaten Zusammenkünften, die man statt dessen veranstaltete, und ferner den öffentlichen Volksversammlungen vor dem Thore in Böttchers- Höschen, bis sich schließlich unter der Aegide des Magistrats die „städtische Ressource" bildete.*) Kosch, bei aller Freiheitsliebe seinem innersten Wesen nach ein entschiedener Gegner jeder Ungesetzlichkeit und Demagogie, hielt sich von diesenVolksversammlungen fern. Um so eifriger nahm er an den anderen Versammlungen theil, und sein klares Urtheil, seine Geschicklichkeit in der Diskussion, namentlich aber in der Leitung der Verhandlungen, verschafften dem beliebten Arzte bald den Ruf eines hervorragenden Politikers. Die Ereigniffe des Frühjahrs 1848 brachten Kosch in eine führende Stellung. Am 15. März präsidierte er einer Versammlung von etwa 80 Personen aus Ost- und Westpreußen, in der eine von Jacoby entworfene Adresse an den König angenommen und unterzeichnet wurde. Was die Adresse verlangte, das schien wenige Tage später durch die Berliner Revolution erkämpft und gesichert zu sein. Ein Freudenrausch erfaßte alle Freiheitsfreunde. In Königsberg wurde eine Dankadresse an die Berliner Bürgerschaft beschlossen, und als Sprecher der aus fünf Mitgliedern bestehenden Deputation überreichte Kosch am 31. März in Gegenwart des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin diese Adresse. Bald sollte er ein zweites Mal mit einem bedeutsamen Aufträge als Abgesandter seiner Vaterstadt nach Berlin gehen, als Abgeordneter zur Nationalversammlung. Hier hat er fast nur zur Geschäftsordnung das Wort ergriffen; aber trotzdem nahm er in dieser Versammlung bald eine so hervorragende Stellung ein, falkson, die liberale Bewegung tu >röingöberg. 31