Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 9 (September 1899)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1899-09-01
- Page
- 450 (sequence 2)
- Language
- German
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450 3m deutschen Reich. erfüllen, so können wir dieser unserer politisch höchst wichtigen Aufgabe nicht besser gerecht werden als dadurch, daß wir die Geschichte der jüngsten Vergangenheit und die Lebensbilder der Männer, die in des Wortes bestem Sinne als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens gelebt und gewirkt haben, unseren Glaubensgenossen vor Augen führen. Denn wenn wir sehen, wie diese Männer zum Theil unter den ungünstigsten Zeitverhältnissen im wesentlichen erfolgreich den Kampf geführt haben um das vorenthaltene Recht, dann werden wir freilich den Rückschlag, der jetzt eingetreten ist, um so schmerzlicher empfinden, aber doch ihn nur als eine vorübergehende Erscheinung ansehen, auf welche bessere Tage folgen müssen. Einer der hervorragendsten Kämpfer für die Gleichberechtigung der Juden, hochangesehen bei Freund und Feind wegen seines Wissens, seiner politischen Begabung, seiner Besonnenheit und seines ruhigen Urtheils, seiner milden, versöhnlichen Gesinnung, seines lauteren, untadeligen Charakters, vor Allem wegen seiner Gewissenhaftigkeit und seiner unbestechlichen Gerechtigkeit war Raphael Kosch, der, durch das Vertrauen seiner Mitbürger in die erste aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene preußische Volksvertretung entsendet, lange Jahre ein hochangesehenes Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses gewesen ist. Am 5. Oktober 1803 in Lissa in Posen geboren, kam er als Knabe mit seinen Eltern nach Königsberg, wo er anfangs die Bürgerschule, später das Altstädtische Gymnasium besuchte. In Königsberg verlebte er auch seine Studienzeit und bereitete sich als Assistent an der chirurgischen Klinik für seine spätere außerordentlich ausgebreitete ärztliche Praxis vor. Am 4. Juli 1826 promovierte er; einer der beiden Opponenten war sein Jugendfreund Johann Jacoby, den die politischen Kämpfe und Bestrebungen der folgenden Jahrzehnte noch enger mit ihm verknüpften. Das politische Leben erwachte in Königsberg wie allenthalben in ganz Deutschland mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV., an die man die weitgehendften Hoffnungen für eine freiheitliche Wiedergeburt des Vaterlandes knüpfte. Einen besonders lebhaften Aufschwung nahm das öffentliche Leben seit dem Universitätsjubiläum im Jahre 1844. -Königsberg war in den vierziger Jahren einer der Vororte der freiheitlichen Bewegung,