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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 420

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-08-01
Page
420 (sequence 9)
Language
German
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420 Im deutschen Reich. seiner ganzen Unwürdigkeit am Pranger steht. AuS den Betrachtungen der „Kreuz-Zeitung" geht dies deutlich hervor. Die Freisprechung von Dreysus, heißt es da, sei ja höchst wahrscheinlich, aber das Land werde dadurch nicht zur Ruhe kommen: „Es wird lediglich einen freigesprochenen Juden mehr geben." Genau so eifrig, wie die „Post" und die „Kreuz-Zeitung" das antisemitische Nebengeschäft betreiben, bewirbt sich offenbar die „Schles. Ztg." um die Gunst der an Zahl nicht sehr bedeutenden ehemaligen Abonnenten deS „Deutschen VolksblatteS", welches bis zu seinem seligen Ende das Organ der Breslauer Antisemiten war. Der „Schles. Ztg." macht besonders die Rückwanderung jüdischer Familien des Reichslandes Pein, welche sich in Frankreich nicht mehr wohl fühlen und bereuen, in den siebziger Jahren der Heimath den Rücken gekehrt zu haben. Die „Schles. Ztg." braucht sich jedenfalls nicht den Vorwurf zu machen, daß sie dazu beigetragen habe, daß sich diese Familien nach der Heimath zurücksehnen. Der deutsche Jude hat ein Vaterland, er liebt es und hat Ursache, es zu lieben, doch jenes Volk, das „ö st e r r e i ch i s ch" sich nennt, ist durch den Nationalitäten-Zwist, durch Religions-, Rassen» und Klaffenhaß augenblicklich so zerklüftet, daß es den österreichischen Juden weit schwerer wird, eine ähnliche vaterländische Gesinnung zu bekunden. Immerhin dürste dieselbe weit warmherziger sein als diejenige der „deutsch-nationalen" Judenfeinde in Oesterreich, über welche die katholische „Köln. Volkszeitung" nach der Rede ves Abg. Wolf auf dem Erfurter Antisemitenfest wie folgt urtheilte: „Herr Wolf fühlt sich als Oesterreicher gar nicht mehr, nur als Deutscher, deshalb sagt er auch fortwährend: „Unser Bismarck" u. dergl. Was würde man bei uns sagen, wenn ein Elsäffer in Frankreich öffentlich spräche und sich der Ausdrücke, „unser Galliffet" oder „unser Napoleon" bediente?" Daß der Ehrenvorsitzende des deutschen Kriegerverbandes, Generallieutenant von Przychowski, bei dieser Gelegenheit sich für die Thätigkeit dieses österreichischen Abgeordneten begeisterte, veranlaßte daö Kölnische Blatt zu der Bemerkung: „Der General von Przychowski muß entweder gedeckt oder desavouiert werden. Man wird sich kaum wundern dürfen, wenn die österreichische Regierung in Berlin um eine Erklärung bittet." Bei einiger Unbefangenheit hätten es aber die österreichischen Staatsmänner voraussehen muffen, daß die Monarchie durch ihr Paktieren mit den christlich - sozialen Antisemiten keinen wirksamen Schutz gegen die deutsch - nationalen Antisemiten und die Sozialdemokraten erlangen würde. Von einer Partei, deren rohes, rücksichtsloses Verhalten sich nur nach dem Grundsätze richtet:

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