Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 419 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 419 Antisemitismus von der „Post" zunächst liebevoll übersehen worden. Diese Nachsicht verwandelt« sich aber sofort in Begeisterung, als daS „Berl. Tageblatt" sich tadelnd über folgende Stelle der Brochüre aussprach: „Es ist immerhin möglich, daß einige Pariser Korrespondenten deutscher Blätter, mit den Pariser ReinachS, der Dreyfus- Familie, Bernard Lazare rc. persönlich liirt, hier und da in unbedingter und verfrühter Vertheidigung der Unschuld d«S ExkapitänS des Guten zu viel geleistet." Wahrscheinlich ist Herr Mittelstadt nun über die „verfrühte Vertheidigung" der „Post" jetzt ebenso wenig erfreut! Was die „Kreuz-Ztg." in antisemitischen Erörterungen der Dreyfus-Affäre geleistet hat, ist geradezu haarsträubend. In einem angeblich von einem höheren Offizier verfaßten Artikel „Unser Interesse an der Dreyfus-Affäre" fanden sich die folgenden charakteristischen Sätze: „Der Haß gegen das Judenthum hat Dreyfusauf die Teufelsinsel gebracht und über vier Jahre dort festgehalten, die Macht und das Geld des Judenthüms hat ihm die Rückkehr ermöglicht. Die „Kreuz-Zeitung" hat nie weder die Religion noch die Rasse angegriffen. Es ist auch gleichgültig, ob die Juden durch die christliche Gesetzgebung vieler Jahrhunderte das geworden sind, was sie jetzt sind, — wir können uns nur an das Faktum halten, daß das Judenthum, wie es sich im Lauf« der Geschichte entwickelt hat, am Mark der Völker saugt, und daß es Pflicht jeder Nation ist, sich aus seinen Feffeln zu befreien. Der kräftigste Baum stirbt schließlich ab, wenn Schmarotzer- und Schlingpflanzen seine Zweige bedecken und aus dem Boden die Kraft aufsaugen, die seine Wurzeln brauchen. Christliche Liebe und Duldsamkeit kommt hier nicht in Frage." Ueber die durch die Dreyfus-Sachebloßgelegte Korruption unter den französischen Generalstäblern sagt der mildgesinnte Mitarbeiter des frommen Blattes: „Wer hätte auch Treibereien, wie sie schließlich aufgedeckt wurden, bei höheren Offizieren für möglich gehalten! Daß die verschiedenen Kriegsminister, selb st wenn sie die Wahrheit ahnten, sich der Revision widersetzten, erscheint erklärlich. Sie wollten der Armee die Schande ersparen, daß eine ganze Reihe höherer Offiziere als Gauner, Fälscher und Betrüger öffentlich gebrandmarkt und das Vertrauen zur Armee untergraben wurde." Ueber einen anderen ähnlichen Artikel der „Kreuz-Ztg." sagt das „Berliner Tageblatt": „Ist dieses Wahnsinn, hat es doch Methode. Es ist aber nicht Wahnsinn, sondern es ist das ängstliche Interesse für den Antisemitismus, der bei den Vorgängen in Frankreich in