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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 418

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-08-01
Page
418 (sequence 7)
Language
German
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418 Im deutschen Reich. Wilberg haben offenbar etwas von ihrem Parteigenoffen Sedlatzek gelernt, der auch den Vorsitzenden der ReichSgerichts-Strafkammer, welche ihn endgiltig verurtheilte, ohne weiteres zum Juden machte. Es verdient aber gewiß weit mehr Beachtung, daß bereits einzelne Blätter anderer politischer Parteien sich rüsten, das Geschäft fortzusetzen, das von der absterbenden offiziellen antisemitischen Presse zeitweise mit Erfolg betrieben worden ist. „Aus der Zeit — für die Zeit", betitelte sich ein die Dreyfus- Sache betreffender Artikel der Zeitschrift „Daheim" vom 8. Juli, von welchem das „Berliner Tageblatt" sagte: „Allerdings sind politische, soziale, konfessionelle Erörterungen aus den Spalten des „Daheim" verbannt. Aber die Gesammthaltung dieses Blattes ist eine derartige, daß der konfessionellpositive, sowie der politisch-reaktionäre Geist aus jedem Artikel förmlich h e r a u s d a m p f t. Unter einer anscheinend harmlosen Decke verbirgt sich allerhand verdächtiger Inhalt. Das reaktionäre Gift wird auf einem zierlichen Schälchen den ahnungslosen Lesern des „Daheim" vorgesetzt. Allein zuweilen hält diese elegante Methode nicht Stand, und die wahre Natur des erzreaktionären „Daheim" dringt unaufhaltsam durch. Diese in höchstem Maße -- tendenziöse, in ihren ursächlichen Motiven durch und durch verlogene Darstellung des doch angeblich so — gebildeten und vornehmen „Daheim" steht genau auf dem Bildungs- und Vornehmheitsniveau der erbärmlichsten Antisemitenblättchen gemeinster Observanz. Wir hielten uns für verpflichtet, einmal das wahre kraftantisemitische Antlitz des „Daheim" dem vollen Tageslichte preiszugeben. Das kann unter Umständen doch recht von Nutzen sein." Wie nützlich cs war, das judenfeindliche Treiben der „lachenden Erben der deutsch-sozialen Reformpartei" zu enthüllen, ging daraus hervor, daß sich die „Post" und die „Kreuz-Ztg." durch die dem „Daheim" ertheilte Zurechtweisung mitgetroffen fühlten und sich über dieselbe in schärfster Weise äußerten. Dabei nahm die „Post" die angebliche „Interessengemeinschaft des Judenthums aller Länder derartig unter die Lupe", daß sie das vollste Lob der „Staatsbürger- Ztg." erwarb, die sich wahrscheinlich für verpflichtet erachtet, die „Post" in ihrem Testamente zu bedenken. Das freikonservativr Organ hält es schon gar nicht mehr für nöthig, sein „kraftantisemitisches Antlitz" besonders dicht zu verhüllen. Als ein mit Pariser Verhältniffen vertrauter Rechtsgelehrter, der ehemalige Reichsgerichtsrath Otto Mittelst ä d t, kürzlich in einer Schrift über die „Affäre Dreyfus" den Nachweis führte, daß dieses Opfer der ftanzösischen Antisemiten unschuldig sei und eine zweite Verurtheilung desselben ein schweres Unglück für Frankreich sein würde, ist dieser Vorstoß gegen den internationalen

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