Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 417

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-08-01
Page
417 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316658--05604-2324559
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 41? nur eint nothwtndige Folgt der unmoralischen Tendenzen derselben ist, als einen Triumph des JudenthumS bezeichnet, wenn die antisemitische Presse diesen Niedergang darauf zurückführt, „daß die Juden sich machtvolle Freunde an den verschiedenen Höfen Deutschlands geschaffen, nachdem ste die Sozialdemokratie, den Freisinn und den Liberalismus sich unterthänig gemacht, nun auch in'8 Centrum eingedrungen sind." Nicht der Antisemitismus ist im Hinsterben begriffen, sondern. nur diejenige Gattung deffelben, welche durch eine besondere politische Partei dargestellt wurde, deren Agonie besonders die „Staatsbürger-Ztg." zu den sonderbarsten Aeußerungen veranlaßt. Dieses Blatt vertritt ja ganz besonders jene Art der an Gedanken armseligsten Preffe, deren ganzer Inhalt von dem Wort Jude beherrscht wird, der schon ein alttestamentlicher Name oder das angebliche „jüdische Aussehen" eines Uebelthäters den vollkommensten Stoff zu den gewagtesten Behauptungen verschafft. Dabei ist diese judenfeindliche Preffe ein Muster geschäftlicher Vorurtheilslosigkeit. Im Jnseratentheile huldigt sie dem Satze, daß das Geld nicht riecht und jüdische Geschäftsanzeigen gar nicht von Pappe sind, aber sie klagt gleichzeitig im redaktionellen Theile die jüdischen Geschäfte der Zerstörung des Mittelstandes an, um den sie in heißem Liebeswerben buhlt. Die „StaatSbürger-Ztg." bekennt sich auch nur dann zum Raffen-Antisemitismus, wenn es ihr in den Kram paßt. Sie sang z. B. dem Abg. Dr. Arendt ein begeistertes Loblied, bezeichnete aber in dem Artikel „Die Juden in der Politik" die Vorgänge bei den bayerischen Wahlen als Beweise für die angebliche Judendienerei der CentrumSführer, den von denselben in der Pfalz als Kandidaten aufgestellten Domkapitular Zimmern in Speyer als einen getauften Juden, den vor einiger Zeit aus Sachsen ausgewiesenen sozialdemokratischen Schriftsteller „ P a r v u s - H e l p h a n t" als den jüdischen „Geschäftsträger des Münchener klerikal-sozialdemokratischen Kuhhandels". Daß dieses Organ der absterbenden Partei in ihren Delirien überall Juden zu faffen glaubt, könnte beinahe Mitleid erregen. Als Herr Landgerichtsrath B o i s l y, der in ihrem „Pückler-Prozeß" den Vorsitz geführt, zum Landgerichtsdirektor in Halberstadt befördert wurde, schrieb sie am 21. Juli: „Es ist zweifellos, daß Herr Landgerichtsdirektor Boisly Jude ist, und zwar ungetanster" und fügte hinzu, daß auch bei jener Verhandlung der Staatsanwalt und ein Beisitzer Juden gewesen seien. Gleich darauf sah sie sich zur Aufnahme der Berichtigung gezwungen, daß Herr Landgerichtsdirektor Boisly nicht Jude, auch nicht jüdischer Herkunft sei, sondern einer christlichen Fabrikantenfamilie aus Burg entstamme. Die Herren Bachler und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.