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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 415

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-08-01
Page
415 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Umschau. 415 anderen, minder bemerkbaren und deshalb schwerer faßbaren Formen wirkt der antisemitische Geist rastlos fort zur Bedrohung und der Verkümmerung der Rechte der deutschen Juden und zum größten Nachtheik für die Kulturfortschritte des gesammten deutschen Volkes. Die deutschen Juden würden in einer bedenklichen Selbsttäuschung befangen sein, wenn sie den ihnen aufgedrungenen „Kampf unr's Recht" aufgeben wollten, weil die antisemitische Partei Schiffbruch gelitten hat. Der vollständige Untergang dieser Partei bedeutet keineswegs das Ende' der antisemitischen Epidemie, weil das Gift dieser Krankheit längst auf andere politische Parteien übertragen worden ist, auf Kreise, welche die Klinke der Gesetzgebung weit eher und fester zu fassen vermögen. „Der Antisemitismus hat mancherlei Schaden gestiftet," schreibt die „Berliner Zeitung", „er hat es insbesondere Staatsmännern vom Schlage gewisser Minister erleichtert, im Gegensätze zur Verfassung, religiöse und soziale Vorurtheile auf die praktische Verwaltung zu übertragen, und Deutschlands liberale Entwickelung schwer zurückschlagen geholfen. Allein als Partei ist er nur noch eine Polichinell-Erscheinung." Ueber die schmerzlichen Zuckungen der im Absterben begriffenen Partei äußerte sich „Die Welt am Montag" in ähnlichem Sinne: „Der Deutsche Antisemitenbund hat beschlossen, sich mit aller Kraft an den Berliner Stadtverordnetenwahlen zu betheiligen, und hofft bei angestrengter Thätigkeit eine Bresche in den verjudeten Freisinn und die Sozialdemokratie des Rothen Hauses legen zu können. Die „angestrengte Thätigkeit" beginnt damit, daß man eine Pücklerversammlung, einen Pücklerkommers, ein Pücklerkonzert und eine Pücklerparthie nach Potsdam beschlossen hat. Nun fehlt nur noch ein Pücklerskat, um das nöthige Kleingeld für die Wahl zusammenzubringen, und der Erfolg kann nicht ausbleiben. Der blaublütige Führer wird mit Hilfe der blauen Plakate des D. A. B. die blaue Internationale zum Siege führen. So blau!" — Immerhin wird man gut thun, die Möglichkeit in's Auge zu fassen, daß andere Kreise als der „Deutsche Antisemitenbund" bei den nächsten Berliner Stadtverordnetenwahlen eine rege Thätigkeit in antisemitischem Sinne entfalten werden. Mit diesen ernsthafter zu nehmenden rückschrittlichen Politikern, welche den Antisemitismus nur als Nebengeschäft betreiben, hätten eigentlich die Führer der liberalen Parteien abzurechnen. Der Anhang dieser Führer ist aber durch die langjährige amtliche Förderung des Staatssozialismus, und durch die Begünstigung der Jntereffenwirthschaft und des Streberthums, durch welche der Unabhängigkeitssinn und die ideale Denkungsweise bei so vielen vernichtet wurde, so zusammengeschmolzen,

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