Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 413

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-08-01
Page
413 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316658--05600-2324555
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Umschau. 413 Rede-Rundreisen auch kein Glück mehr zu haben scheint, so kann man den jetzigen Trägern deS antisemitischen Gedankens kaum eine bessere Zukunft prophezeien. Der Antisemitismus in der bisherigen Form ist ebenso tobt wie die „Berliner Bewegung". Herr von Gerlach ertheilte in der „Welt am Montag" wieder Herrn Liebermann den Rath, sich der SisyphuS-Arbeit zu enthalten, den „todten Punkt" zu überwinden und lieber im Anschluß an die Mahnung seines Meisters Bismarck „tzuietn non movere" der antisemitischen Bewegung die wohlverdient« Grabesruhe zu gönnen". — Ahlwardt hat in den letzten Julitagen am Schluffe einer in Stuttgart gehaltenen Radaurede verkündet, daß er den Schwerpunkt seiner agitatorischen Thätigkeit nach dem Süden verlegen werde. Wenn er vielleicht von den Schwaben, welche wieder „die Sturmfahnen der Bundschuh-Bewegung vorantragen sollen", für die 360000 Mark entschädigt zu werden hofft, die ihm nach seiner wiederholt aufgestellten urkomischen Behauptung die Berliner Juden vergeblich angeboten haben, dürfte er sich stark verrechnen. Die krampfhaften 'Bemühungen der Herren Wilberg und Kretzer, die sogenannte „Berliner Bewegung" mit Hülfe des „D r e s ch g r a f e n" wieder in Fluß zu bringen, werden hoffentlich ebenso fehlschlagen. Wie OberpostassistentStockmann in einer konservativen Versammlung mittheilte, wollen die Antisemiten bei dem geplanten Ansturm auf das Rothe Haus vor den Stadtverordneten- Wahlen verschiedene unpolitische Organisationen, wie die Innungen und den Centralverband der Vereine selbstständiger Gewerbetreibender zu gewinnen suchen und ihnen sogar aus praktischen Erwägungen die Führung im Kampfe überlassen. Auch mit den Hausbesitzervereinen, den Gastwirthen rc. wollen sie Fühlung nehmen. Bei den Gastwirthen werden sie wahrscheinlich besser angeschrieben stehen als bei den Hauswirthen. Der Abg. Liebermann will seiner Partei durch die Bildung sogenannter Aergerniß-Ausschüffe aufhelfen, welche die jüdischen Blätter beständig daraufhin prüfen sollen, ob dieselben sich der Religionsbeschimpfung schuldig machen. Er schreibt: „W a s heißt denn eigentlich Denunziation? Ankündigen! Nun gut, wir kündigen den Hütern des Gesetzes die Vergistungsoersuche an, die von der jüdischen Preffe an unserem Volke verübt werden. Denunzieren aus persönlicher Rachsucht mag schimpflich sein. Wer aber von einem Verbrechen Kenntniß hat und es nicht zur Anzeige bringt, macht sich moralisch zum Mitschuldigen. So liegt die Sache in unserem Falle." Dazu bemerft die „Allg. Zeitung des Judenthums": „Gut geblasen, Herr Trompeter! Zumal, wenn man sich vergegenwärtigt, wie dieselben Antisemiten den „Centralver ein deutscher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.