Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 8 (August 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-08-01
- Page
- 412 (sequence 1)
- Language
- German
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412 Umschau. dm jetzig»» Stand der antisemitischen Bewegung hat kürzlich der seit zwei Jahrzehnten mittm in dieser Bewegung stehende Reichstagsabgeordnete Liebermann vonSonnenbergeinbedeutsamesGeständnißabgelegt. Er schrieb in seiner Wochmschrist, den „Deutsch Sozialm Blättern": „Es unterliegt keinem Zweifel, und es wäre thöricht, wmn man sich in unserm Parteikreisen darüber einer Selbsttäuschung hingeben wollte, daß di« große nationale antisemitische Bewegung im Deutschen Reiche augenblicklich auf einem todten Punkt angekommen i st, der überwunden werden muß. Die Werbekrast des antisemitischen Gedankens ist nicht geringer geworden, als fie es früher war, aber die Zahl der Männer, die für seine Ausbreitung mit Erfolg gearbeitet und geschafft haben, schmilzt zusammen. Die ältesten Streiter fangen an, müde zu werden. Die planmäßige und zielbewußte Agitation ist in's Stocken gerathen und doch wäre gerade jetzt deren Verstärkung geboten, denn das Judenthum macht wirthschaftlich und sozial gegenwärtig wieder, um mit Cremieux zu sprechen, Riesenschritte ... An sich sind Stockungen, ja selbst rückläufige Bewegungen kein Grund, an der Zukunft unserer Sache zu verzweifeln. Auf Wellenberge folgen Wellenthäler, auf Fluth folgt Ebbe, aber auch umgekehrt. Wir dürfen uns nur nicht selber aufgeben, sondern müssen die Ursachen unerfreulicher Thatsachen freimüthig zu ergründen suchen und dann energisch bessernde Hand anlegen." Ein solches Bekenntniß aus dem Munde des Mannes, welcher vor 18 Jahren die Antisemiten-Petition ausarbeitete, vor 10 Jahren die deutsch-soziale Partei bekundete und seit 1895 an der Spitze der deutsch-sozialen Reformpartei steht, darf als ein klassisches Zeugniß für den Niedergang dieser Partei angesehen werden. Mit Recht bemerkt hierzu die „Germania": „Es muß schlimm um die antisemitische Partei stehen, wenn selbst Herr von Liebermann, zu dessen hervorragendsten Eigenschaften sonst Selbsterkenntniß und Bescheidenheit gerade nicht gehören, nach all' den Fanfaronaden über den „unaufhaltsamen SiegeSmarsch des antisemitischen Gedankens" jetzt zu der Einsicht kommt, daß der „todte Punkt" erreicht ist." Die „Köln. Volkszeitung" schloß sich derselben Ansicht an und meinte: »Hält man dazu die Klagen des Reichstagsabgeordneten A h l w a r d t, der bei seinen antisemitischen