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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 405

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Antisemitismus in der Wissenschaft
Date
1899-08-01
Page
405 (sequence 3)
Language
German
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Antisemitismus in der Wissenschaft. 406 wurde, hat sich der Antisemitismus vor Allem der ethischen und historischen Disziplinen bemächtigt. Historiker wie Tr eit sch ke, Statistiker wie Alexander von Oettingen, Philosophen wie Paulsen und Eduard vom Hartmann, Nationalökonomen wie Ad. Wagner und Dühring, P. de Lagarde und Ruhland, unter dem Deckmantel der Anonymität schreibende Juristen wie Clemens Justus, um nur die.Träger allererster Namen anzuführen, reichen sich brüderlich die Hand in der Unterstützung der antisemitischen Forderungen mit den Ergebnissen ihrer Spezialforschung. Dieser wissenschaftliche Antisemitismus hat die antisemitische Bewegung erst salonfähig gemacht, und es ist mir nicht zweifelhaft, daß er weit gefährlicher ist. als der Radau- und Straßenantisemitismus der achtziger Jahre. Bei einem Volke, bei welchem die Wissenschaft so hoch in Ansehen steht, wie bei dem deutschen, kann wohl die Stimme des berufsmäßigen Agitators ungehört verhallen, aber niemals die des Mannes der Wissenschaft, in welchem weiteste Kreise den unbeeinflußten und unbefangenen Forscher erblicken. Der Einfluß desselben auf die Volksseele steigert sich aber dann in's Ungemeffene, wenn er an der obersten Bildungsstätte des Landes die wissensdmstige Jugend lehrt oder als gottbegnadeter Schriftsteller seine Behauptungen in einer so bestrickenden Form aufstellt, daß auch der kritisch Veranlagte Mühe hat, sich ihrem Zauber zu entziehen. Treitschke hat sowohl als bedeutender Historiker wie als gefeierter Universitätslehrer und als glänzendster Publizist die Lehren des Antisemitismus verbreitet und darum zum guten Theile die Verantwortung für die Vergiftung der deutschen Volksseele zu tragen; ihn vor allen haben wir dafür verantwortlich zu machen, daß die jüngere Generation mit antisemitischer Gesinnung erfüllt ist, und wenn erst einmal die Volksseele von dieser epidemischen Behaftung vollständig befreit ist, wird um deswillen das Urtheil über den einflußreichsten Historiker des neuen Reichs wohl wesentlich anders lauten als es heute noch der Fall ist selbst in solchen Kreisen, in welchen man seine Anschauungen Nicht billigt. Mit Rücksicht auf diese weitreichende Bedeutung und Tragweite des wissenschaftlichen Antisemitismus kann und darf kein Hervortreten desselben unerwidert oder un- 27

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