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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 406

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Antisemitismus in der Wissenschaft
Date
1899-08-01
Page
406 (sequence 4)
Language
German
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406 3m deutschen Reich, beachtet bleiben, das vornehme Jgnoriren ist ihm gegenüber wahrlich nicht angebracht. Ich stehe im allgemeinen nicht auf dem Standpunkt, daß es nothwendig ist, jede antisemitische Aeußerung stets einer Erwiderung und Zurückweisung zu würdigen. Wenn irgend ein obskurer Ignorant in einem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden Winkelblättchen eine Behauptung aufstellt, die nur bei denjenigen Glauben findet, die nicht alle werden, so haben wir keinen Anlaß, dem Verfasser durch eine Entgegnung zu einer unverdienten Berühmtheit zu verhelfen, es sei denn, daß die Kriterien einer strafbaren Handlung vorliegen, in welchem Falle natürlich stets einzuschreiten ist. Anders aber liegt die Sache, wenn die Aeußerung von einem anerkannten Vertreter der Wissenschaft ausgeht. Hier muß die Abwehr stets und schneidig erfolgen, hier ist sie ein Gebot der Selbsterhaltung, eine Pflicht nicht nur gegen uns, die Angegriffenen, sondern auch eine Pflicht gegen die Wissenschaft, an deren Entwicklung die deutschen Juden von jeher einen hervorragenden Antheil genommen haben. Wir haben die Pflicht, nach Maßgabe unseres Könnens und Kennens für die Reinhaltung der Wissenschaft einzutreten, wir haben. die Pflicht, der Verbreitung von Pseudowissenschaft und tendenziösen Lehren entgegenzutreten, dem von seinen subjektiven Ansichten beeinflußten Mann die Larve herunterzureißen und ihn als einen derjenigen zu kennzeichnen, welcher nicht zu den Priestern der Wissenschaft gehört, denen die Wahrheit alles, der äußere Erfolg nichts ist. Darum war, die scharfe Bekämpfung der antisemitischen Aeußerungen P a u l s e n ' s in seinem System der Ethik durch hervorragende Mitglieder unseres Vereins in unserem Vereinsorgan nur beifälligst zu begrüßen, trotzdem die Behauptungen des Philosophen über die sittliche und rechtliche Inferiorität der Juden nichts Neues boten und im Grunde genommen nur wiederholten, was andere vor ihm gesagt hatten nnd was längst zurückgewiesen worden ist. Von seinem Jrrthum über die sittlichen und wirthschaftlichen Eigenschaften der Juden ist der Philosoph dadurch allerdings nicht überzeugt worden, die Vorurtheile sind eben bei ihm zu stark, als daß es möglich wäre, eine Bresche in sie zu legen. Da ist es nicht zu verwundem, daß die antisemitische Presse Paulsen's Behauptungen als wahre Axiome

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