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Im deutschen Reich · 1899-08-01 · Heft 8 (August 1899) · p. 393

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 8 (August 1899)
Article
Die Jahresberichte
Date
1899-08-01
Page
393 (sequence 5)
Language
German
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•Ute Wahres berichte. ö»a Künsten gewesen. Im Anfang des IS. Jahrhunderts hattm sich die Brüder Henschel als Kupferstecher hervorgethan. Güdemann führt diese Abneigung der Juden gegen die bildenden Künste auf das oben erwähnte religiöse Gebot des Moses zurück, welches die künstlerischen Neigungen bei den Juden zurückgedrängt und die Talente habe verkümmern lassen. Doch kommt auch er zu dem Resultat, daß „wo die Gefahr einer Vergröberung des ängstlich behüteten Spiritualismus ausgeschloffen war, es auch in Israel an Kunstbedürfniß und Kunstsreüdigkeit nicht gefehlt habe". Er führt als Beispiele den kunstvollen goldenen Leuchter aus dem ältesten Heiligthum an, ferner das vergoldete Schnitzwerk im salomonischen Tempel, den von Jesajah gerügten Luxus im weiblichen Schmucke, endlich die ehrenden Bezeichnungen der Erbauer der Stiftshütte Bezalel und Oholiab als „Weise" (Chachamim). Man sieht schon aus dieser kurzen Inhaltsangabe, wie wenig geklärt noch die Ansichten über die grundlegendsten Fragen sind. Die Herren Kaufmann und Stiaßny haben Neigung zu der Ansicht, daß die bildende Kunst in der Geschichte des Judenthums eine bedeutende Rolle gespielt habe; Güdemann scheint dies verneinen zu wollen und in dieser Verneinung eher einen Vorzug zu erblicken. Aber beide Parteien machen so viel Vorbehalte, daß sich ihre entgegengesetzten Ansichten einander nähern. Ein abschließendes Urtheil darüber wird wohl erst möglich sein, wenn ein reichlicheres Material vorliegt. Wir haben es ja wiederholt erlebt, daß eine einzige Ausgrabung unsere Begriffe von dem Gange der Kulturentwickelung gänzlich verändert hat. Man braucht nur an Schliemann zu erinnern, den Begründer der „Archaeologie des Spatens", der anfangs von den Fachmännern für einen Phantasten'gehalten wurde. So können wir denn auch dem Wiener Museum und den gleichstrebenden Unternehmungen gute Erfolge wünschen und prognostizierend Es hat wahrlich an Schriften und Studien über das Judenthum niemals gefehlt; aber die Erkenntniß vom Wesen desselben, von seiner Stellung in der Geschichte der Menschheit und seinen Aufgaben für die Zukunft birgt doch noch viele Räthsel. Bis zur Mendelssohn'schen Zeit standen sich zwei Anschauungen scharf gegenüber: Die jüdischen Gelehrten betrachteten nur ihre eigenen Traditionen als des Studiums würdig, sie hatten sich «ine mittelalterliche Scholastik gebildet, in der sie wie in einem

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