Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 385

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Antisemitisches Jahrbuch für 1899 [Rezension]
Date
1899-06-01
Page
385 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316657-2324291--05561-2324406
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bücherscha«. 385 Um den Juden Gaunerei und Räuberei vorwerfen zu können, kommt es dem Verfasser auf das zweifelhafte Lob, daß sie dort Muth gezeigt haben, nicht an; daß sie aber ihren Muth am rechten Platz bewähren konnten und bewährt haben, im Heer« und vor dem Feinde, das leugnet der Verfasser und beruft sich auf einen jüdischen Gemeindevorsteher in Märkisch-Friedland, der die Juden „feige Memmen" nannte, „die weniger nützen könnten als 10 000 Thaler baares Gelv". Ein solches Angebot war dem Staate im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts oft sehr angenehm, er konnte Geld viel besser verwenden als Soldaten und sah es deshalb gern, wenn die Juden Geld gaben und ihre Söhne vom Militärdienst loskauften. Der Verfasser giebt übrigens selbst zu, daß die Abneigung gegen die allgemeine Wehrpflicht damals noch ganz andere Kreise ergriffen hatte, die nicht von jüdischer Abstammung waren und hervorragende Körperkräfte besaßen. Aber wie wir weit'entfernt sind, es zu billigen, daß sich Unterthanen ihrer Wehrpflicht entziehen, so brauchen wir die Juden jener Zeiten gegen den Vorwurf, „feige Memmen" gewesen zu sein, uicht in Schutz zu nehmen. Das ist von maßgebender Stelle geschehen, die der Verfasser — er mag wollen oder nicht — anerkennen muß. Der Verfafler giebt S. 87 die Zahlen, die nach ungefährer Schätzung auf Grund unvollständiger und mangelhaft geführter Listen angesetzt werden. Dabei läßt er die für die Kriegsjahre 1813 — 1815 nicht unerhebliche Frage ganz aus dem Spiele, wieviele Juden sich damals freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet haben und wieviele ausgehoben worden sind. Das hätte er allerdings aus einer Abwehr-Schrift „Die Juden als Soldaten" entnehmen müssen, und aus solchen Quellen zu schöpfen, liebt er nicht. Da ist ziffernmäßig ausgeführt, daß die Zahl der 1813 — 1815 freiwillig dienenden Juden mehr als dreimal so groß war wie die der ausgehobenen. Die Feststellungen der erwähnten Schrift gehen auf die von den Behörden veröffentlichten Berichte zurück (Militär--Wochenb!att vom 4. November 1843 und der dem Vereinigten Landtage 1847 vorgelegte „Auszug aus der Denkschrift des Ministers des Innern über die Ausdehnung der Militärpflicht der Juden"). Hätte der Verfasser objektiv prüfen wollen, dann hätte er sein stumpfes Schwert nicht aus der Scheide gezogen. Die Einzelheiten sind in der erwähnten Schrift „Die Juden als Soldaten" S. V ff. und in dieser Zeitschrift des öfteren erwähnt; deshalb beschränken wir uns, daS zusammenfaffende Ergebniß hier zu wiederholen. „Faßt man den Inhalt dieser Ermittelungen zusammen, so darf man als erfahrungsmäßiges Resultat annehmen, daß die Juden des preußischen HeereS von den Soldaten der christlichen Bevölkerung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.