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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 386

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Antisemitisches Jahrbuch für 1899 [Rezension]
Date
1899-06-01
Page
386 (sequence 6)
Language
German
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386 3m deutschen Reich. im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben; daß ferner insbesondere die jüdischen Religionsverhältnisse nirgends als ein Hinderniß beim Kriegsdienst hervorgetreten sind." Die Juden haben also ihre Pflicht als Bürger und Soldaten erfüllt; dafür soll ihnen kein Lob gespendet werden. Wenn sie aber angegriffen und verleumdet werden, dann laffen sie amtliche Schriftstücke für sich sprechen und können sich darüber freuen, daß man amtlicherseits einmal die Tüchtigkeit und Tapferkeit der preußischen Soldaten nach ihrem religiösen Bekenntniß zu prüfen veranlaßt war. Das mag der Verfasser und sein Anhang ebenso sehr bereuen, wie er sehnsüchtig die Zeiten zurückwünscht, in denen das Theater die Judenhetze unterstützt hat. Wer muß nicht aufrichtiges Mitleid mit dem Verfaffer empfinden, wenn er wehmüthig ausrust: „O schöne Zeit, wie bist du weit!" Doch wir wollen nicht schließen, ohne doch wenigstens in einem Punkte unsere volle Zustimmung zu einer Ansicht des Verfassers ausgesprochen zu haben. „Man durfte sich ehedem," sagt er S. 89, „unter dem Banne der Censur freier und kräftiger über die Juden äußern, als es heutzutage die Praxis unserer Gerichte erlaubt." Hätte der Verfaffer den Fall Pückler schon gekannt, er hätte sein Urtheil vielleicht etwas eingeschränkt; aber dieser Fall bildet glücklicher Weise eine Ausnahme. Wir nehmen von dem Zugeständniß des Verfaffers Kenntniß; uns will aber scheinen, daß er damit eine tiefe Verbeugung vor dem „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens" und andern Abwehrvereinen macht, die gerade nach dieser Richtung ansehnliche Erfolge verzeichnen können. Die Folgen davon, daß die Vorgänger Krollmann's im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts sich „freier und kräftiger" ausdrücken konnten, war der Pöbelaufstand 1819. Die Bauern übersetzten sich diese Sprache in die ihrige, überfielen die wehrlosen Juden in der Nacht, trieben sie aus den Betten und machten sie obdachlos. „Den Juden selbst thaten sie nichts zu Leide, nicht einmal ein hartes Wort gönnten sie ihnen;" weiß der Verfasser ihnen nachzurühmen. Wahrlich edel gedacht Md tapfer gehandelt, ganz nach den Lehren der Antisemitenmoral! Es giebt vielleicht auch heute noch Männer in Deutschland, die hoffen, daß Schriften und Reden, ähnlich denen vor 80 Jahren, zu ähnlichen Heldenthaten führen werden wie damals. Ob es aber nach 80 Jahren noch Herren geben wird, die in die Fußtapfen des Herrn Krollmann treten, die Juden als Räuber brandmarken, die brandschatzenden Bauern aber loben werden, das

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