Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 357 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 357 sich nun auch wieder auf den Standpunkt „krassester Unduldsamkeit" stellen." Vielleicht wird es bei dieser Gelegenheit der Redaktion deL Centrumsorgans klar, daß ihre Bemühungen, mit den Konservativen und den radikalen Antisemiten durch antisemitisch angehauchte Aeußerungen Fühlung zu behalten, recht verfehlt sind. Ihr kann es doch kaum Vergnügen bereitet haben, daß die offiziöse „Augsburger Abendzeitung" keinen Anstand genommen hat, die gegen den zur Zeit als Kaplan in Nürnberg angestellten Prinzen Max von Sachsen gerichteten heftigen Anklagen der nationalliberalen „Fränkischen Morgen- Zeitung" weiter zu verbreiten, daß ferner die konservative „Neue Augsburger Zeitung" sich über des Prinzen „Seelsorge in aller Stille" spöttisch äußerte. Daß die „Judenhetze" seit langer Zeit nur dazu dient, den Bruch zu überkleiflern, ist offenbar und geht recht deutlich aus der Aeußerung der antisemitischen „Deutschen Wacht" hervor: „Hier sind wiran dem Punkte angelangt, wo wir unser Bedauern aussprechen müssen über die Härten und Schärfen, in denen die beiderseitigen Auslassungen gefaßt sind, ebenso wie darüber, daß man den Prinzen selbst mit Schmähschriften überhäuft. Wir wollen und wünschen den Frieden zwischen den christlichen Bekenntnissen, um die Aufmerksamkeit auf den gemeinsamen Feind zu lenken: das zersetzende Judenthum." — ®ur<f) solche täuschenden Ausführungen wird das Zimmerrnann'sche Blatt nicht verhindern, daß die Macht der Thatsachen die Ueberzeugung verbreitet, nicht das Judenthum ist es, welches zersetzend wirkt oder den Frieden stört, sondern der Antisemitismus, der heidnisch, demagogisch und unmoralisch ist und dem Christentum vielleicht noch mehr schadet als dem Judenthum, bei dem das Blut seiner Märtyrer sich stets als der festeste Kitt erwiesen hat. Wie der Antisemitismus in Oesterreich zersetzend wirkt und wen er dort bedroht, das zeigt deutlich genug die „Los von Nom- Bewegung", welche die Regierungskreise nicht nur für den religiösen Frieden, .sondern auch für die politischen Interessen der österreichischungarischen Monarchie als gefährlich erachten. Aus diesem Grunde hat wahrscheinlich auch der preußische Kultusminister in einem Erlaß an die Konsistorien den Mitgliedern dieser Behörden untersagt, sich für die österreichische Bewegung zu interessiren. Von dem Wahne, daß man mit dem konservativen Antisemitismus den radikalen Antisemitismus Niederhalten könne, scheinen sich aber die maßgebenden Kreise in Oesterreich noch immer nicht befreien zu können. Auf diese Weise erlangte die vom niederösterreichischen Landtage beschloffene neue 24