Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 356 (sequence 6)
- Language
- German
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S5& 3m deutschen Reich. Recht oder Unrecht — als „jesuitisch" bezeichnen würden. Wenn ein Weltbund, durch den sich, die edelsten Geister aller Völker gerade deshalb angezogen fühlten, weil er eine Verbrüderung der ganzen Menschheit ohne Rücksicht auf Stand, Rang und Besitz als seine Loosung ausgab, nicht energisch darnach strebt, Religions- und Rassenhaß zu bekämpfen, sondern dem Antisemitismus bei sich Einlaß gewährt, so verliert er mindestens das Recht, mit dem Jesuitenorden über dessen angebliche Grundsätze zu rechten. Das macht es erklärlich, daß auch ein so wenig judenfreundliches Blatt wie die katholische „Germania" den „ A n t i s e m i t i s m u s i n d e r Freimaurerei" verurtheilt und in dieser Beziehung den freisinnigen Blättern beistimmt, welche auf Grund einer Zuschrift aus freimaurerischen Kreisen die Vorkommnisse verurtheilt, die den Großmeister der Großloge Royal Pork, den Prinzen Schönaich- Carolath, und den zugeordneten Großmeister, Prof. Dr. phil. Flohr, veranlaßen, eine Wiederwahl abzulehnen. Eine in der „National- Zeitung" aufgestellte Behauptung, daß diese Ablehnung nicht mit antisemitischen Strömungen in Zusammenhang stehe, fand geringen Glauben, weil die freimaurerische Zeitschrift „Latomia" vorher berichtet hatte: „Für die Versammlung der Großloge Royal d)ork ist der Antrag gestellt worden, der Verfassung einen Zusatz des Inhalts anzusügen, daß sich der Suchende zu „christlichen Grundsätzen" bekennen müsse. Die Annahme dieses Antrages würde der erste Schritt zur Wiederbeseitigung des erst 1872 eingeführten Humanitätsprinzips sein." Dies bot der katholischen „Germania" den willkommenen Anlaß, den Nachweis zu versuchen, daß die von ihr bitter gehaßte Freimaurerei „mit dem positiven Christenthum absolut unvereinbar" sei, und daran nachstehende Betrachtungen zu knüpfen: „Ob Jemand seinem Bekenntnisse nach Jude oder Christ ist, sollte gerade in der Freimaurerei ganz egal sein, aus die vielfach das Sprüchlein angewendet worden ist: „Christ, Jud' und Hottentott —- Glauben all' an einen Gott." Sollte nicht doch dieAbneigung gegen das Jpdenthum überhaupt, wie sie im Antisemitismus zum Ausdruck kommt, der wirkliche Grund für die Ausschließung der Juden von der Loge und das „christliche Prinzip" nur ein Vorwand sein?-Die Großlogen verschärften ihre Aufnahmebedingungen immer mehr, um möglichst „judenrein" zu bleiben, und wie die neuesten Klagen jüdischer Blätter -zeigen, gewinnen diese Bestrebungen so sehr an Ausdehnung, daß Logen, die im Laufe des Jahres Erleichterungen hatten eintreten lassen, „toleranter" geworden waren