Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 352 (sequence 2)
- Language
- German
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352 Im deutschen Reich. Partei" überhaupt begründet worden sei. In Hellem Zorn warf deshalb die „Deutsche Wacht" dem Konservatismus vor, daß seine Nährväter getaufte Juden seien und daß der Bund der Landwirthe ohne die Reformpartei niemals volksthümlich geworden wäre. Don dem Organ des Bundes, der „Deutschen Tageszeitung", verlangte die „Staatsbürger-Ztg." behufs Klärung der Angelegenheit in drohendem Tone eine abschwächende Erläuterung der kränkenden Wangenheim'schen Aeußerung. Eine treue Genossin der „Staatsbürger-Ztg.", die „Germania", bemerkte aber dazu: „Soweit wir unsererseits zu dieser „Klärung" beitragen können, wollen wir der „Staatsbürger-Ztg." nur mittheilen, daß wir es beim Freiherrn von Wangenheim aus familiären Gründen (?) begreiflich finden, wenn sich derselbe nicht zum Antisemitismus hingezogen fühlt." Vertrat hierbei, wie schon vorher bei anderen Gelegenheiten, die „Germania" einen Standpunkt, der bei einem „Organ der Centrumspartei" befremden mußte, so zeigte die mühsam ertrotzte abschwächende Auslegung der Wangenheim'sche Rede durch die „Deutsche Tageszeitung" eine für das anerkannte Organ des „Bundes der Landwirthe" nicht minder seltsame Haltung. Der Redakteur Dr. Oertel, der von den „Schächten" der Freiberger Erzbergwerke aus die Möglichkeit erhielt, im deutschen Reichstage gegen das „jüdische Schächten" zu eisern, legte dabei scheinbar mehr Werth auf die Begütigung der Reformer als auf den klaren Wortlaut der Rede des Bundespräsidenten. Im Gegensätze zu dem leidenschaftlichen sächsischen Führer derReformpartei, Oswald Zimmermann, versuchte es noch in letzter Stunde der mehr Staatsklugheit besitzende Abg. Liebermann von Sonnenberg, den vollständigen Bruch mit den Konservativen zu verhüten. Er quittierte dankend in seinem Organ, den „Deutsch-Sozialen Blättern", über die gefällige Leistung des Abg. Dr. Oertel, wobei dem von der „Deutschen Tageszeitung" gespendeten Trost nur noch der Satz hinzugefügt wurde: „Wir sind der Ansicht, daß es am klügsten ist, wenn man auf beiden Seiten die Sache nunmehr auf sich beruhen läßt." Vor einigen Jahren hätten sich die „Deutsch-Sozialen Blätter" im Bewußtsein der Stärke der' damaligen antisemitischen Bewegung nicht so kleinlaut verhalten. Der Vorstand des Berliner deutschkonservativen Wahlvereins erließ eine Erklärung, die darauf berechnet war, die Kluft zu überbrücken, und der Vorstand der deutsch-sozialen Reformpartei hat Erklärungen abgegeben, welche demselben Zwecke dienen sollten. Die Zerwürfnisse wurden von der einen Seite dem Herrn Witowski, von der anderen Herrn Böckler zur Last-gelegt,