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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 348

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Joseph Wolf
Date
1899-06-01
Page
348 (sequence 8)
Language
German
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348 Im deutschen Reich. Wartungen; der Herzog mit seiner ganzen Familie und seinen Gästen, die Spitzen der Behörden, die Geistlichkeit und eine große Anzahl Zuhörer au» allen Ständen und Konfessionen hatten sich eingefunden. Wolf'S Predigt erbaute den Fürsten und die Gemeinde. „Sie war ohne allen Schwulst, voll Würdigung des Fürsten und seines Lebens, cithmete eine reine Religiosität, hatte eine lichtvolle Disposition und klare und erhebende Form." Unter diesen Verhältniffen wurde in der Defsauer Synagoge die erste deutsche Predigt gehalten und ihr folgten andere an allen Festtagen und wichtigen Sabbathen. Der Einfluß, den durch diesen Schritt die Deflauer Gemeinde auf die anderen in Deutschland ausübte, war unberechenbar. Es ist ja zur Genüge bekannt, wie der neue Tempel, welchen Israel Jacobsohn 1815 in Berlin gründete, durch das Treiben der Gegner aus Befehl der Regierung geschloffen wurde, weil in demselben in deutscher Sprache gepredigt wurde. Aber das Gute greift doch Platz und behauptet immer seine Stelle; bald folgten Hamburg, Wien, Magdeburg, Hildesheim, Kassel und andere Städte. Wolf selbst hielt oft während der Leipziger Messe in der „Dessauer Schul" Predigten. Seine Kanzelvorträge sind oft gedruckt worden, so 1812, 1813, 1818 und 1819. Viele wurden in's Hebräische übersetzt, um sich im Osten Europas Eingang zu verschaffen. Bei dieser Gelegenheit darf erwähnt werden, daß in Deffau zuerst eine Konfirmation der Knaben und Mädchen durch Frankel und Wolf eingeführt wurde. — Jedoch noch auf einem anderen Gebiete sollte Wolf erfolgreich wirken. Die Franzosen hatten kaum den deutschen Boden verlassen, als die Deutschthümler Haß gegen die Juden durch Wort und Schrift schürten. Nach den Freiheitskriegen entstand eine antisemitische Literatur, die den Preßerzeugnissen der letzten Jahre um nichts nachsteht. Man hatte es vergessen, wie bedeutenden Antheil an der Befreiung des Vaterlandes die Juden hatten und wie sie ansingen, den durch Krieg gesunkenen Handel und die vernachlässigte Industrie zu heben. Zu Schildträgern der damaligen Hep-Hep-Partei warfen sich insbesondere die Herren Rühs und Fries auf, jener Professor der Geschichte zu Berlin, dieser ein Jenenser Professor der Philosophie. Rühs behauptete in seiner Schrift: „Ueber die Ansprüche der Juden an das deutsche Bürgerrecht", daß die Grundsätze der

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