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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 342

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Joseph Wolf
Date
1899-06-01
Page
342 (sequence 2)
Language
German
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842 Im deutschen Reich. deutschen Juden. Ausgeschloffen von Amt und Ehrenstellen, Gewerben, öffentlichen Schulen und Bildungsanstalten, waren ste in der wiffenschastlichen Ausbildung hinter ihren Glaubensbrüdern anderer Länder zurückgeblieben. „Die Absonderung und der Druck von außen hatten sie um ihre Sprache gebracht." So verfiel nach und nach das Vortragswesen. Dieser traurige Zustand der gottesdienstlichen Belehrung war jedoch nicht während jenes ganzen Zeitraums herrschend, auch nicht überall in gleichem Maße. Nie gab es eine größere Anzahl von „Darschanin "-Predigern, als seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland und Polen; es fehlte keineswegs an Rednern und Vorträgen; nur in der Weise dieser Vorträge, in ihrer Sprache lag das Gebrechen. Erst mit dem Wirken Mendelssohn's kam die eigentliche deutsche Predigt auf. Es heißt nicht, die unsterblichen Verdienste des „Deffauer Weisen" verkleinern, wenn ihm nicht die erste Stelle unter den Predigern eingeräumt wird. Wohl sprach er mit Feuerzungen zu seinem Volke, aber ein Prediger im gewöhnlichen Sinne des Wortes war er nicht. Wir besitzen zwar zwei von ihm ausgearbeitete Predigten, eine aus dem Jahre 1757 nach dem Siege bei Roßbach, eine andere zum Dankfest nach dem Hubertsburger Frieden 1763; jedoch, statt die Reihe der Prediger selbst zu eröffnen, übergab er die erste dem Oberrabbiner Fränkel, seinem Lehrer und Freunde, dem Großvater des Schuldirektors Dr. David Fr., die andere dem Rabbiner Aron Moses zum Vortrage. Wie jedoch die von dem deutschen Sokrates gestreute Saat überall die herrlichsten Blüthen und Früchte zeitigte, so war er auch in der Umgestaltung des Gottesdienstes der Reformator. Vorerst mußten die Israeliten hierzu empfänglich gemacht werden. Durch Aneignung moderner Bildung, durch Gründung von Schulen mit zeitgemäßen Lehrgegenständen sollte dieses geschehen. — Doch nicht Berlin, sondern der Heimathsgemeinde Mendelssohn's war es beschieden, die deutsche Predigt zu einer dauernden Einrichtung beim Gottesdienst zu gestalten. An diesem Orte fanden sich die geeigneten Männer, vorbildlich für andere Gemeinden zu wirken; es waren dieses Dr. Gotthold Salomon und Joseph Wolf; ersterem war das Geschick günstiger; er fand im Hamburger Tempel den denkbar günstigsten Wirkungskreis; seine Reden und Schriften wurden viel beachtet; doch

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