Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Joseph Wolf
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 341 (sequence 1)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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341 Joseph Wolf. Leben und Wirken eines Lehrers und Predigers an der Wende zweier Jahrhunderts.*) ^Mredigt und religiöse Beredsamkeit sind im Judenthum so alt, wie dieses selbst. Die mächtigen Reden des sterbenden Moses, die gewaltigen Worte der Propheten von Jesaja bis Maleachi sind der beredteste Beweis für diese Thatsache. Nachdem die Prophetenperiode beendet war, trat die Erläuterung und Erklärung des Gotteswortes, die öffentliche Unterweisung und Belehrung an ihre Stelle. Seit Esra und den „Männern der großen Synagoge" gewannen die Vorträge auf der Kanzel an Ausdehnung. Sabbathfeier und Sabbathpredigt erscheinen identisch; auch bei freudigen und traurigen Lebensereignissen, bei Geburt, Hochzeit und Tod, wurden diesbezügliche Ansprachen gehalten. — Im Laufe der Jahrhunderte erlitt die Einrichtung der Predigt hier und dort wohl einzelne Störungen, ging aber nie ganz unter. Lange vor dem Aufblühen der christlichen Kanzelberedsamkeit hatten die religiösen Vorträge der Juden die klassischen Formen sich anzueignen gesucht. Ueberall wurde in der Landessprache gepredigt. Allmählich und namentlich seit dem 15. Jahrhundert bildete sich das Vortragswesen bei den Juden zu einer alle theologischen Gebiete umfassenden Homiletik aus; es entfaltete sich im Orient, in Italien und Deutschland eine reiche Literatur — Deraschot —, welche zum größten Theil in hebräischer Sprache niedergelegt wurde. Nur die Prediger der spanisch-portugiesischen Gemeinden in Holland, England und Südfrankreich ließen ihre oratorischen Produkte in spanischer oder portugiesischer Sprache erscheinen. Ganz anders gestalteten sich die Verhältnisse bei den *1 Benutzt sind die Werke von >ianserling, Funz, Philippson; die .Cnllnnith" und die Sitten der C. G. Dessau. 23