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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 331

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Heinrich Heine
Date
1899-06-01
Page
331 (sequence 14)
Language
German
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Heinrich Heine. 331 tönt. Er war ja ein Franzose. Auch diese Verdächtigung ist eine Unwahrheit. Heine hat sich niemals in Frankreich naturalisieren lassen. In seiner „Retrospektiven Aufklärung" sagt er darüber: „Es war der närrische Hochmuth des deutschen Dichters, der mich davon abhielt, auch nur pro forma ein Franzose zu werden. In Bezug auf das, was wir g e w ö hm l i ch Patriotismus nennen, war ich immer ein Freigeist; doch konnte ich mich nie eines gewissen Schauers erwehren, wenn ich irgend etwas thun sollte, was nur halbwegs als ein Lossagen vom Vaterlande erscheinen könne." Seine Ehe mit ber lieben Frau Germania sei zwar nie eine glückliche gewesen, auch lebe er mit ihr gegenwärtig getrennt von Tisch und Bett, aber er habe es nie übers Herz bringen können, sich von seinem Hauskreuz ganz los zu sagen. Man wurde in Deutschland nicht müde, ihn zu verleumden und den Pöbel gegen ihn aufzuhetzen, wie es noch heute geschieht. Mit gerechtem, hellem Zorn ruft er daher in der Vorrede zu „Atta Troll": „Aber du lügst, Brutus, du lügst, Cassius, und auch du lügst, Asinius, wenn ihr behauptet, mein Spott träfe jene Ideen, die eine kostbare Errungenschaft der Menschheit sind und für die ich selber so viel gelitten und gestritten habe. Nun, eben weil dem Dichter jene Ideen in herrlicher Klarheit und Größe beständig vorschweben, ergreift ihn desto unwiderstehlicher die Lachlust, wenn er sieht, wie roh, plump und täppisch von der Zeitgenossenschaft jene Ideen aufgefaßt werden können." Ja, seine Gegner logen, wie sie es noch heute thun; sie mußten lügen, wie sie es noch heute müssen. Denn gegen die Wahrheit, die von Heine's lachenden Lippen diese Gäuche mit der Sicherheit von Apolls Geschossen traf, gab es für den Augenblick wenigstens keine Deckung als die Lüge, die Verleumdung. Und wenn etwas dafür zeugt, daß Heine von der Wahrheit beseelt war, welche das Kennzeichen und deren Verkündigung die Sendung des Genies ist, so ist es die noch heute schäumende Wuth dieser Schildhalter und Landsknechte veralteter Zustände, dieser Dunkelmänner, welche den Zeiger der Weltenuhr auf Mitternacht zurückschieben wollen. In „Atta Troll" hält der Dichter mit seinen Gegnern Abrechnung. In dem Tanzbären, der seinem Herrn in die Ge-

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