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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 330

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Heinrich Heine
Date
1899-06-01
Page
330 (sequence 13)
Language
German
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330 Im deutschen Reich. Heine nennt die erste Abtheilung dieser Sammlung: „Neuer Frühling." Und es ist in derThat ein neuer Frühling, der uns hier mit den reinsten, edelsten und duftendsten Blüthen überschüttet. Im schroffen Gegensatz hierzu steht der zweite Theil, der der unter dem Titel „Verschiedene" die Gedichte an eine Anzahl von Boulevard-Schönen enthält. Hier ist Heine nicht mehr der Ritter von der blauen Blume, sondern Tannhäuser nach der Rückkehr aus Rom. Um ihre Tendenz zu verstehen, müssen wir uns erinnern, daß Heine bereits in den „Jungen Leide n," die das „Buch der Lieder" eröffnen, seine unglückliche Liebe gesunden Herzens überwindend, die zarten entkörperten Gesühlchen und das Kokettieren der entnervten Zeit mit unendlicher Liebe, unendlicher Sehnsucht, unendlichen Schmerzen scharf ironisiert. Stärkere Schläge gegen den Spiritualismus führte er dann in den „M e m o i r e n des Herrn von Schnabelewopski." Hier äußert er sich über den Zwiespalt von Geist und Materie: Unsere Nachkommen werden schaudern, wenn sie einst lesen, welch ein gespenstiges Dasein wir geführt, wie der Mensch in uns gespalten war und nur die eine Hälfte ein wahres Leben geführt. Unsere Zeit — und sie beginnt am Kreuze Christi — wird als eine große Krankheitsperiode der Menschheit betrachtet werden." Jetzt warf er in seinen Gedichten an die Pariser Schönen den Spiritualisten den Fehdehandschuh mit einer Kühnheit hin, daß selbst das Junge Deutschland, das eben noch mit der Emanzipation des Fleisches kokettirt hatte, erschrocken ein Kreuz schlug. Das Junge Deutschland war prüde geworden und blind gegen das Ziel, das Heine im Auge hatte, und wenn es, wie Gutzkow that, dem Dichter die Freundschaft kündigte, so können wir uns die Wuth der Philister, Deutschthümler und Dunkelmänner leicht vorstellen. Vollends entflammte sie „Deutschland, ein Wintermärchen/, worin Heine bald mit bitterer Satire, bald mit aristophanischem Witze die trostlosen Zustände unseres Vaterlandes zu jener Zeit schildert. Daß ein starkes sittliches Gefühl die Wurzel seiner Satire, gleich der des Juvenal, daß die Liebe zum Vaterlande, welches er groß und frei wünschte und das so geknebelt war, ihm die Geißel in die Hand drückte — das alles sollte nicht gelten, nicht wahr sein, Heuchelei sein die große Sehnsucht nach Deutschland, die so ergreifend aus seinen Liedern „In der Fremde"

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