Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Heinrich Heine
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 332 (sequence 15)
- Language
- German
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332 3m deutschen Reich. birgSwildniß der Pyrenäen entflohen ist, stellt er sie alle vor den Richterstuhl seines souveränen Humors: die Deutschthümelei, die politische Tendenzpoesie ohne dichterisches Talent, die sich als Charakter aufspielt, die Ueberhebung, Pedanterie, Heuchelei, Rohheit und Dumnrheit. Er nennt den „Atta Troll" einen Sommernachtstraum, und Shakespeare hat in seiner gleichnamigen Komödie die Rüpel nicht bewunderungswürdiger als Heine die Geschichte seines Tanz- und Tendenzbären mit dem poetischen Zauber der Romantik verflochten und die verbannten Götter und Göttinnen wieder zu Ehren gebracht. Als dieses letzte freie Waldlied im Jahre 1847 veröffentlicht wurde, hatte bereits jene qualvolle Nervenkrankheit den Dichter ergriffen, von der ihn der Tod erst am 17. Februar 1856 erlöste. Länger als 10 Jahre lag er als ein lebender Todter, von unsäglichen Schmerzen gefoltert, in seiner Matratzengruft. Sein Geist aber bewahrte seine Klarheit, und seine Schöpferkraft blieb ungebrochen. Davon zeugen seine Werke aus dieser Leidenszeit: Die „Geständnisse" und der „ R o m a n c e r o ", sowie manche Perle unter den Gedichten von 1853—56, die aus seinem Nachlasse veröffentlicht wurden. In der Stimmung freilich verrathen sich seine Leiden. Diese sind es, die seinen „ H i ft o r i e n ", womit die Gedichte des „Romancero" anheben, jene finstere, schmerzdurchbebte Weltanschauung aufprägten, die in dem Geschichtlichen das Grausige und in der Liebe das Vernichtende betont. Diese Leiden sind es, welche dem einzig großartigen Cyklus des „Lazarus" und dessen Nachträgen den in seiner wehmüthigen Weichheit erschütternden Ton des Sterbeliedes verleihen. Der sterbende Dichter äußerte zu Alfred Meißner über diese Verse, daß noch kein deutscher Sänger so habe singen können, weil noch keiner in solcher Lage gewesen sei. In Deutschland hatte sich inzwischen das Gerücht verbreitet, daß Heine sich bekehrt habe. Der „Romancero" zerstörte grausam den Triumph der Frommen. Die Gedichte bewiesen klärlich, daß die unerbittliche Logik dieses skeptischen Geistes selbst auf dem Schmerzenslager an kein Dogma sich gefangen gegeben hatte. Hatte er doch selbst mit dem Atheismus gebrochen, als dieser zu einem Dogma erstarrte. Den Gott, zu dem sein religiöses Gefühl sich bekannte und zu d'em er wohl in seinen quäl-