Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Heinrich Heine
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 328 (sequence 11)
- Language
- German
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328 Im deutschen Reich. waren eben zu verschieden geartete Charaktere. Heine war vor allen Dingen Dichter, Börne Politiker. Der Puritaner mußte wohl die sittenstrenge Stirn dazu runzeln, daß der heißblütige Poet den Druck einer weißen Hand demjenigen einer schwieligen Faust vorzog und die Arbeiterversammlungen mit ihren politischen Debatten schwänzte, um die Vergnügungen der Hauptstadt zu genießen. Es kam dazu, daß Heine den ausschließlich politischen Radikalismus Börnes zu eng fand. Glaubte Böme mit der Abschaffung des Königthums und des Adels alles erreicht, so wollte Heine auch die religiösen Fragen in die Debatte gezogen, die Kirche ausgegeben wissen. Er begnügte sich nicht, wie Börne, mit der Judenemanzipation, der Aushebung der Censur und einer republikanischen Staatsverfassung, sondern verlangte als Schüler des St. Simonismus eine neue Welt, eine reorganisierte Gesellschaft. Um Frankreich mit dem deutschen Geiste und dessen Entwickelung bekannt zu machen, schrieb Heine das Buch „De rAllemagn e“. Er selbst verdeutschte es später unter dem Titel „Zur Geschichte der Religion und Philosophie inDeutschland." Es ist dies keineswegs eine systematisch geschriebene Kulturgeschichte, auch würden die Franzosen eine solche schwerlich gelesen haben. Allein die Hauptpunkte der Entwickelung Deutschlands von der Reformation bis auf die Zeit des Dichters werden durchaus richtig angegeben und springen aus einer Fülle von Anekdoten aus dem Leben von Kant, Hegel, Schelling überaus klar hervor- Er schloß das Buch mit dem Hinweise, wie die Philosophie, nachdem sie das Ich zum Gottmenschen erhoben hatte, in Schelling eine höchst bedenkliche Rückneigung zur Mystik und dem Uebersinnlichen verrathe. .Damit war der Punkt gegeben, um nun mit seinem bedeutendsten und folgenreichsten Werke einzusetzen. Er schrieb „Die romantische Schul e." Man hat es den Romantikern zu danken, daß sie durch vortreffliche Uebersetzungen die poetischen Meisterwerke des Auslandes bei uns einbürgerten, daß sie unserer Literatur neue Stoffe zuführten und durch ihren Rückgriff in das Mittelalter viel dazu beitrugen, die Vaterlandsliebe zu wecken, welche die Fremdherrschaft von Deutschland abschüttelte. Die romantische Schule war es aber auch, die durch ihre falsche Auffassung des Mittelalters zur Vorkämpferin und Bundesgenoffin der Reaktion wurde.