Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Heinrich Heine
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 327 (sequence 10)
- Language
- German
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Heinrich Heine. 327 Märe leicht, wenn man nicht das Vaterland an den Schuhsohlen mitschleppte." Diese Umschreibung von Dantons geflügeltem Wort ist für Heines Seelenzustand bedeutsam, denn es spricht sich darin nicht nur seine Liebe zum deutschen Vaterlande aus, sondern auch die Erkenntniß, daß es der Nährboden seines Genius sei, und daß der Lorbeer, der seine Dichterstirne schmückte, der heimathlichen Luft bedürfte, um zu grünen. Sein liederreicher Mund verstummte dann auch in der Pariser Atmosphäre auf viele Jahre. Er verwandte diese Zeit darauf, um den Abgrund zu überbrücken, den die napoleonischen Kriege zwischen Deutschland und Frankreich aufgeriffen hatten. Wenn jemand, so war Heine zur Vermittelung zwischen dem Geiste beider Nationen geschickt, denn er war kein Deutschthümler noch ein Franzosenfresser wie Wolfgang Menzel, und er darf mit wohlbegründetem Recht von sich sagen: „Es war die große Aufgabe meines Lebens, an dem herzlichen Einverständniß zwischen Deutschland und Frankreich zu arbeiten und die Ränke der-Feinde der Demokratie zu vereiteln, welche die internationalen Vorurtheile und Animositäten zu ihrem Nutzen ausbeuteten." Er begann damit, in der „Allgemein e n Zeitung" von Cotta die französischen Zustände unter dem Bürger-Königthum zu schildern. Der Feuereifer, mit dem er die republikanischen Ideen verfocht und Louis Philipp kritisierte, mißfielen der französischen Regierung höchlich, lenkte sie doch immer deutlicher in die ausgefahrenen Geleise des Konservativismus zurück. Um die Gunst der europäischen Reaktion buhlend, fiel es ihr nicht schwer, durch Metternich auf Cotta dahin zu wirken, daß dieser dem Politiker Heine den Stuhl vor die Thür setzte. Anstatt über Politik schrieb Heine daher fortan über die Kunst in Frankreich: über Malerei, Theater, Musik.. Als er 7 Jahre später, 1840, die politischen Berichte über das Julikönigthum wieder aufnahm, war seine Kritik eine bedeutend mildere, was ihm von seinen deutschen Freunden in Frankreich sehr übel ausgelegt wurde, auch von Börne, den er in Paris wieder traf, nachdem er ihn bereits 1827 in Frankfurt persönlich kennen gelernt hatte. Börne, die deutschen Flüchtlinge und Arbeiter empfingen Heine mit offenen Armen. Allein die Freundschaft der beiden großen Schriftsteller gerieth nur zu bald ins Schwanken und ging schließlich ganz in die Brüche. Sie 22"