Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Heinrich Heine
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 326 (sequence 9)
- Language
- German
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326 Im deutschen Reich. händlerische Erfolg seiner Schriften dem außerordentlichen Beifalle, mit dem sie ausgenommen wurden. Der „ungezogene Liebling der Grazien" konnte daher frei auf dem Jungfernstieg in Hamburg umherbummeln, in Norderney und anderen Nordseebädern Heilung seiner nervösen Kopfschmerzen suchen, London, Nord- und Mittelitalien besuchen, überall eine reiche Ernte für die Fortsetzung seiner „R e i s e b i l d e r" einbringcnd. Seine unverwüstliche Naivetät trug dann auch dazu bei, daß er nach Ausbruch der Julirevolution noch fast ein Jahr zögerte, bevor er nach Paris ging. Er glaubte nämlich wieder einmal, auf eine Anstellung im Staatsdienste hoffen zu dürfen, trotzdem er nur eben durch seine geharnischte Einleitung zu Wefselhöfft's Schrift: „K a h l d o r s über den Adel" den deutschen Regierungen frische Waffen gegen sich geliefert hatte. Die Nachricht von dem Ausbruch der französischen Revolution traf ihn auf Helgoland. Seine Briefe von dort athmen die höchste Begeisterung. Wie ward ihm daher, als er, im August nach Hamburg zurückgekehrt, dort Zeuge sein mußte, wie der niedere und vornehme, der rohe und der gebildete Pöbel zur Feier der französischen Revolution die Häuser der Juden stürmte und plünderte! Wir begreifen, daß er sich fort sehnte aus Deutschland, aus diesem Deutschland, wo das Damoklesschwert der Censur beständig über seinem Haupte hing, wie er klagt, und den Freien nur Kerker und Verfolgung in Aussicht standen. Er fand, wie er in seinen „Geständnissen" bitter scherzt, daß er sehr müde geworden sei und einiger Erholung bedürfe. Er hätte Visionen von allerlei fatalen Fratzen; die preußische Kokarde erschiene ihm als ein häßlicher schwarzer Geier, der an seiner Leber fräße. Ein alter Berliner Justizrath, der viele Jahre auf der Festung Spandau zugebracht, erzählte ihm, wie unangenehm es wäre, daß man im Winter die Eisen tragen müßte, ohne daß sie ein Bischen gewärmt würden, daß man dort keine Austern zu essen bekäme, auch das Fleisch rar sei, und daß es dort kein anderes Geflügel gäbe, als die Fliegen, die einem in die Suppe sielen. Am 1. Mai 1831 fuhr er über den Rhein nach Paris, wo freilich das „lübsrts", egalite, fraternite inzwischen an den Straßenecken hier und da schon wieder abgewischt war. Seinem Verleger Campe schrieb er über sein Zögern: »Fliehen