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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 325

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Heinrich Heine
Date
1899-06-01
Page
325 (sequence 8)
Language
German
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Heinrich Heine. 325 das unverdiente Glück zu schätzen, zugleich ein Deutscher und ein Jude zu sein, nach allen Tugenden der Deutschen streben zu können und doch keinen ihrer Fehler zu theilen. Ja, weil ich als Knecht geboren, darum liebe ich die Freiheit mehr als Ihr. Ja, weil ich die Sklaverei gelernt, dämm verstehe ich die Freiheit bester als Ihr. Ja, weil ich in keinem. Vaterlande geboren, darum wünsche ich ein Vaterland heißer als Ihr, und weil mein Geburtsort nicht größer war als die Judengaste und hinter dem verfchlostenen Thor das Ausland für mich begann, genügt mir auch die Stadt nicht mehr zum Vaterlande, nicht mehr ein Landgebiet, nicht mehr eine Provinz, nur das ganze große Vaterland genügt mir, so weit seine Sprache reicht." Heine seinerseits steigt zu den Wurzeln des Judenhastes hinunter und findet als solche die Ueberhebung und den Neid der Christen. In der Einleitung zu „Shakespeares Mädchen und Frauen" sagt er: „Ich kenne einen guten Hamburger Christen, der sich nie darüber zufrieden geben konnte, daß unser Herr und Heiland von Geburt ein Jude war. Ein tiefer Unmuth ergriff ihn jedesmal, wenn er sich eingestehen mußte, daß der Mann, der, ein Muster der höchsten Vollkommenheit, die höchste Verehrung verdient, dennoch zur Sippschaft jener gehörte, die er auf der Straße als Trödler herumhausieren sieht, die er so gründlich verachtet und die ihm noch fataler sind, wenn sie gar, wie er selber, sich dem Großhandel mit Gewürzen und Farbstoffen zuwenden, und seine eigenen Interessen beeinträchtigen." Des weiteren erläutert er diese Erscheinung dann in seiner Besprechung des „Kaufmanns von Venedig". Heinrich Heine war bald nach dem Examen in aller Stille zum Protestantismus übergetreten. Denn ohne christliche Taufe kein Staatsamt. Allein seine Hoffnungen auf eine Anstellung erfüllten sich nicht, weder in Preußen, noch in Hamburg, noch in München, wohin er im Herbst 1827 als Redakteur der „Politisch-hist o risch en Annalen" von Cotta berufen wurde. Diese jahrelang gehegten Hoffnungen enthüllen uns die ganze Naivität seines Dichtergemüths, trotz seines scharfen skeptischen Verstandes. Er wollte sich nicht überzeugen, daß sein unentwegter Kampf mit den mittelalterlichen Spukgestalten ihm den Eintritt in den Staatsdienst verschloß. Glücklicherweise entsprach der buch- 22

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