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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 323

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Heinrich Heine
Date
1899-06-01
Page
323 (sequence 6)
Language
German
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Heinrich Heine. 323 schon Opitz versucht hatte, durch das Gestrüpp der antiken Metrik hindurch zu dringen; aber es war ihm nicht gelungen, das verzauberte Dornröschen wach zu küssen. Glücklicher war Goethe unter Führung des Volksliedes. Heinrich Heine lernte von beiden, und wenn er der romantischen Schule einen Dank schuldet, so ist es für die deutschen Volkslieder, welche Clemens Brentano und Achim von Arnim in „Des Knaben Wunderhorn" gesammelt hatten. Goethe aber gab ihm durch seine, dem Pindar nachgcahmten Hymnen die Anregung zu der freien Rhythmik der „ N o r d s e e b i l d e r ", in denen Heines Sprachgenius dem deutschen Rhythmus seine älteste Form, die Form des Stabreimverses zurückgab. Wilhelm Jordan, der Dichter der „Nibelungen", dessen ganzes Leben und Dichten ein begeisterter Kampf für die alte, ursprüngliche Versform war, bezeichnet die Heinesche Liedstrophe als großen, epochemachenden Fortschritt in der Rückkehr zur altgermanischen Rhythmik. Er preist Heines feinfühlige Sorgfalt und Sauberkeit im Schliff dieser Strophe, und von den „Nordseebildern" äußert er, daß in ihnen, die allein schon durch ihre Sprachmusik den Hörer entzücken, die deutsche Sprache nach tausendjähriger Irrfahrt in der Fremde heimgekehrt und angelangt sei beim altgermanischen Verse, daß mit Heine der deutsche Sprachgeist wieder zum Bewußtsein des ureigenen rhythmischen Gesetzes erwacht sei. Und diesen Mann, der in der Form der deutscheste Dichter der neuen Zeit ist, will man beschuldigen, die deutsche Sprache und Literatur verjüdelt zu haben! Diesem Manne spricht man das Deutschthum ab! Als ob man in der deutschen Sprache dichten könnte, ohne bis in die innersten Fasern seines Herzens und Hirns deutsch zu fühlen und zu denken! Wie früh sich schon in Heine der deutsche Sprachgeist regte, davon zeugt Folgendes. Als sein französischer Sprachlehrer von ihm verlangte, daß er französische Verse machen sollte, weigerte er sich dessen, und er erzählt: „Ich hätte für Frankreich sterben können, aber französische Verse machen, nimmermehr!" Und an einer anderen Stelle: „Ach! unausstehlich sind mir, wie die Metrik so die Verse der Franzosen, dieser parfümierte Quark — kaum ertrage ich ihre ganz geruchlosen befferen Dichter." Auf sein Leben und Weben in dem Geiste der deutschen

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