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Im deutschen Reich · 1899-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1899) · p. 320

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1899)
Article
Heinrich Heine
Date
1899-06-01
Page
320 (sequence 3)
Language
German
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320 3m deutschen Rerch. Mutterliebe für immer ein Ende. Heine's Vater, den realen Verhältnissen Rechnung tragend, schickte den fünfzehnjährigen Sohn zu einem Wechsler in Frankfurt am Main, auf das Comptoir. Dem künftigen Dichter scheint es jedoch in der Vaterstadt Börne's wenig gefallen zu haben, denn schon nach zwei Jahren vertauschte er die freie Reichsstadt am Main mit der an der Alster, wo ihm der Bruder seines Vaters, der reiche Salomon Heine, ein Kommissionsgeschäft einrichtete. Und hier ereilte ihn das Geschick, das ihn zum Dichter, nicht zum Kaufmann bestimmte. Die Liebe zu seiner Cousine wurde die Springwurzel, welche den noch in seiner Brust verborgenen Quell der Poesie zu Tage lockte. Allein er war in der Liebe nicht glücklicher als im Handel. Mährend aber aus jener unsterbliche Lieder erblühten, mußte die Firma Harry Heine & (So. schon im Jahre 1819 liquidieren. Heine ließ es bei diesem glänzenden Beweis seiner Unfähigkeit für den kaufmännischen Beruf einfür allemal bewenden und wandte sich dem Studium zu. Onkel Salomon gewährt; hierzu die erforderlichen Mittel unter der Bedingung, daß sein Neffe sich den Rechtswissenschaften widmete, um in Hamburg als Anwalt sich aufzuthun. Noch im Herbste desselben Jahres 1819 bezog er die Universität Bonn. Einstweilen ließ er daselbst jedoch die Institutionen des römischen Rechts auf sich beruhen. Um so fleißiger besuchte er die Vorlesungen von A. W. Schlegel über altdeutsche Literatur und indische Poesie und wurde ein begeisterter Jünger dieses geistreichsten Häuptlings der romantischen Schule, die er später bis zu ihrer Vernichtung bekämpfte. In seinem Herzen bewahrte er freilich bis an sein Lebensende eine gewisse Schwäche für den bestrickenden Zauber dieser Gauklerin. Die zopfige Pedanterie Göttingens, wohin er hu nächsten Jahre ging, war jedenfalls so ungeeignet wie möglich, den Romantisch-Trunkenen mit dem trockenen Rechtsstudium auszusöhnen. Es dürfte ihm daher keinen allzu tiefen Kummer verursacht haben, daß er in Folge eines lächerlichen Duells im Januar 1821 von der Universität verwiesen wurde. Der Onkel Millionär dachte freilich anders darüber, und es kostete große Mühe, ihn zu versöhnen, als Heinrich Heine nunmehr auch in Berlin die Juristen Juristen sein ließ, statt ihrer Hegel, Gans und Schleiermacher hörte, in den Salons der Geistreichen herumflatterte

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