Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Heinrich Heine
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 319 (sequence 2)
- Language
- German
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Heinrich Heine. 819 Vater, so scheint Heine von dem seintgen die heitere Leichtlebigkeit und Liebenswürdigkeit geerbt zu haben, während sein, außerordentlich scharfer Verstand auf die Mutter zurückweist. Aus den wenigen Blättern einer Autobiographie, die wir von Heine besitzen, erfahren wir, daß seine Mutter eine Schülerin Rousseau's war und daß sie, stets mit Entwürfen für eine glänzende Zukunft ihres Sohnes beschäftigt, u. a. auch daran dachte, ihn katholischen Geistlichen werden zu lassen. Zu diesem Behuf wurde er in^den verschiedensten Glaubenssystemen unterrichtet und damit die ' der Skepsis in seine Brust gestreut. Um die Absichten der Mutter zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß die Rheinprovinzen damals unter französischer Herrschaft standen und daß diese den Bekennern jeder Konfession die gleichen staatsbürgerlichen Rechte gewährte. Die Erinnerung an diese Zeit mußte Heine um so theurer sein, als bei dem großen Länder- und Völkerschacher, den man den Wiener Kongreß nennt, die Nheinprovinzen Preußen zugetheilt wurden und dieses die Juden wieder entrechtete und zu Staatsbürgern zweiter oder dritter Klasse erniedrigte. In diesen Erinnerungen findet die Romanze von den beiden Grenadieren, die aus der russischen Gefangenschaft nach Frankreich zurückkehren, ihre Erklärung. Diese Erinnerungen sind es, wenn Heine in dem „Buch Le Grand" unter einer Fülle von phantastischromantischen Ranken die Flucht des angestammten deutschen Landesvaters, die Franzosenzeit und die nachfolgende Reaktion mit der ganzen Schärfe seines Witzes und Humors schildert. Dieser Le Grand war ein ganz verflixter Tambour und Heine lernte aus seinem Getrommel die Weltgeschichte: das Qa ira, den Sturm auf die Bastille, die Marseillaise, die Schlachten, in denen das patriarchalisch-despotische Europa zusammenkrachte. Es war ein scharfer revolutionärer Trommelschlag und er gellt den plattierten Patrioten und Chauvinisten noch heute so übel in den Ohren, daß sie schreien: Heine sei ein Reichsfeind, ein Franzose. Nein, die wahre Quelle, aus der das „Buch Le Grand " floß, war die Auflehnung des Dichters gegen die in Deutschland herrschenden Zustände, unter denen er als Deutscher mosaischen Glaubens doppelt schwer litt. Der Sturz Napoleons machte den ehrgeizigen Träumen der