Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1899)
- Article
- Heinrich Heine
- Date
- 1899-06-01
- Page
- 318 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316657-2324261--05443-2324339- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
818 Heinrich Heine. In dem Centralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vorgetragcn am 25. Oktober 1897. »nter ben Dichtem unserer nachklassischen Zeit ragt keiner so hoch empor wie derjenige, von dessen Lebm und Werken ich Sie zu unterhalten beabsichtige. Während er als Lyriker den Lorbeer mit Walther von der Vogelweide und mit Goethe theilt, hat er als Satiriker bis jetzt in Deutschland keinen Gleichen. Es sind dieses aber nicht die einzigen Verdienste, die ihm die Unsterblichkeit sichem. Trotzdem erhob sich ein wüstes Geschrei, als die Nation den großen Tobten durch ein äußeres Zeichen, durch ein Denkmal in seiner Vaterstadt ehren wollte. Es ging von jenen Leuten aus, denen Heine die Heuchlermaske vom Gesicht gerissen hatte — von den „Landsknechten des Mittelalters", wie er sie nannte, deren freches Gebahren Berthold Auerbach auf seinem. Todtenbette die schmerzliche Klage abpreßte, daß unserem Jahrhunderte die Gefahr drohe, das Anrecht zu verlieren, das Zeitalter der Humanität zu sein. Umlärmten doch seine letzten Tage die Konflikte zwischen Judmthum und Christenthum — Konflikte, die er im Geiste der Humanität längst in sich ausgeglichen hatte — in mittelalterlicher Scheußlichkeit, als ob ein Lessing und Mendelssohn, ein Herder, Goethe, Schiller nie gelebt hätten. Wie Berthold Auerbach, dessen Schriften Kultur und Humanität unablässig zu fördem trachteten, so entsproß auch Heinrich Heine einer israelitischen Familie. Er nannte sich im Scherze einen der ersten Männer des Jahrhunderts, weil er im Jahre 1801 geboren zu sein glaubte. Er hatte aber schon 1797, oder, wie neuere Forschungen behaupten, am 13. Dezember 1799 in Düsseldorf das Licht der Welt erblickt. Verdankte Goethe seine Frohnatur und Lust zu fabulieren der Mutter, des Lebens ernstes Führen dem