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Im deutschen Reich · 1899-05-01 · Heft 5 (Mai 1899) · p. 304

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 5 (Mai 1899)
Article
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
Date
1899-05-01
Page
304 (sequence 3)
Language
German
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304 3m -rutschen Reich. die Pharisäer?" Dieser Essai ist geeignet, di« hier und da auch unter uns, wenn auch nicht unter solchen Personen, die mit der einschlägigen Literatur bekannt sind, gehegte sprichwörtlich gewordene Ansicht über jene Religionspartei endgültig zu beseitigen. Die Pharisäer waren keineswegs Heuchler oder Buchstabengläubige ohne tieferes religiöses Gefühl. Sie waren vielmehr, wie bereits Abraham Geiger gezeigt hat, „die Vertreter der religiösen Demokratie", „welche der weltlichen Gesinnung und den Mißbräuchen des Priesteradels entgegengetreten sind". Auch, über die Zustände und die Gedankenrichtung des jüdischen Volkes zur Zeit des zweiten Tempels gewinnen wir aus Schreiner's Aufsatz ein ganz anderes Bild als dasjenige, welches modern« Dramatiker wie Sudermann im „Johannes" gezeichnet haben. In das sogenannte Mittelaller führen uns die interessanten Aufsätze von Adolf Schwarz „die Hochschulen in Palästina und Babylon" und H a r k a v y „Anan der Stifter der karäischen Sekte". Die diesen folgende Abhandlung von Professor D. Kaufmann, „R. Naftali Cohen im Kampfe gegen Chajjun", hätte meines Erachtens mehr den Charakter des Jahrbuchs als einer Sammlung populärwissenschaftlicher Aufsätze berücksichtigen sollen. So interessant auch die in jenem Aufsatze geschilderten Vorgänge für den sind, der jene Periode genauer kennt, so dürfte die Darstellung doch bei zahlreichen Lesern zu viele Kenntnisse voraussetzen, und vielleicht daher ermüdend wirken. Uebrigens wird die Irreführung, welche einem abenteuerlichen Betrüger wie Nehemja Chajjun, der behauptete, mit Gott und seinen Engeln Zwiesprache halten zu können, selbst den Hervorragendsten unserer Glaubensgenossen gegenüber gelang, erst dann richtig beurtheilt, wenr man gleichzeitige Vorgänge in christlichen Kreisen in Parallele stellt. Ruht doch selbst auf Amos Comenius, einem der bedeutendsten Geister und achtenswerthesten Vorkämpfer für Aufklärung und Toleranz im 17. Jahrhundert, : der Schatten, daß er sich von den albernen Prophezeihungen des Nikolaus Drabik irreführen ließ! Allgemeines Interesse werden die Auszüge aus den Briefen des berühmten Orientalisten Salomon Munk finden, welche Braun veröffentlicht. Zur Geschichte der „heuchlerischen Proselytenmacherei, welche die protestantischen Jesuiten in Preußen" trieben, gewährt einen bemerkenswerthen Beitrag ein auf S. 181 veröffentlichter Brief des Ministers von Altenstein an Munk: „Das Ministerium eröffnet Ihnen, daß es sich, so lange Sie sich zur mosaischen Religion bekennen, nicht veranlaßt sehen kann. Ihnen zu Ihrer weiteren wissenschaftlichen Ausbildung eine Unterstützung zu gewähren."

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